Emmaus in der Epoche der Kreuzzüge (1099-1260) 


Die vorhandenen historischen Quellen aus der Kreuzfahrerzeit geben uns keine weitgehenden Informationen über Emmaus. Die mittelalterlichen Chronisten des ersten Kreuzzuges siedeln Emmaus nahe des Ajalon-Tales an, wo es auch von ost-christlichen Pilgern und muslimischen Reisenden angegeben wird. Christliche Pilger aus Westeuropa lokalisieren Emmaus jedoch näher bei Jerusalem, nahe dem aktuellen Abu Gosch oder Motza.

Johannes Mauropous, der Metropolitan-Bischof von Euchaita, legt schon in der Mitte des 11. Jh. Zeugnis von der Existenz verschiedener Meinungen ab, was die Lokalisierung von Emmaus betrifft:

Was die Worte „das Dorf, das von Jerusalem ungefähr sechzig Stadien entfernt liegt“ betrifft, dehnen einige diese Entfernung weit aus, während andere es auf dreißig Stadien reduzieren und argumentieren, dass dies die genaue Entfernung zwischen Emmaus und Jerusalem sei … (Brief 117, geschrieben 1050, siehe: „Iohannis Euchaitorum Metropolitae quae de Codice Vaticano graeco 676 supersunt“, P. de Lagarde, Hrsg., Göttingen,1882, S. 63 Der griechesche Text ist hier).

Trotzdem taucht ein zweites Emmaus bei Abu Gosch, vor der Mitte des 12. Jh. den Historikern nach noch nicht auf (Siehe unten, Siehe auch: Häufig gestellte Fragen über Emmaus, Frage 7).


Wir können daraus schließen, dass es während der Kreuzfahrerzeit zwei Orte gab, die mit dem Emmaus aus dem Evangelium indentifiziert wurden. Der erste, Emmaus-Nikopolis, im Ajalon-Tal, wurde nahe der Templerburg von Toron (Latrun) angegeben. Hier gab es bis 1187 eine Landwirtschaftskolonie der Kreuzfahrer, mit einer Kirche (von den Templerrittern gebaut?), wo die westlichen Christen und vielleicht auch die Christen des Ostens beteten. Das zweite Emmaus wurde im Gebiet von Abu Gosch angegeben (oder nach der Meinung einiger, nahe von Motza). Hier gab es eine Kirche (von den Johannitern gebaut) zu der westliche Pilger, beginnend mit der Mitte des 12. Jh., durch En Kerem kamen. Beide Ortschaften wurden von den Kreuzfahrern, folgend dem Ersten Buch der Makkabäer, mit Modeïn und den Makkabäern verbunden, und beide wurden, nach byzantinischen schriftlichen Quellen, Nikopolis genannt. (Siehe: Denys Pringle, The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem, Cambridge, 1993, Bd. 1, S. 52-59, Ronnie Ellenblum, Frankish Rural Settlement in the Latin Kingdom of Jerusalem, Cambridge, 1998, S. 109-118). 

Nach dem Historiker Ronnie Ellenblum:

Im 12. Jh. umging die Pilgerstraße (von Jaffa) nach Jerusalem Abu-Gosch … fast alle Reisenden und Armeen welche ihren Weg in den 12. Und 13. Jh. nach Jerusalem richteten, benutzten die nördliche Straße, die durch Emmaus-Nikopolis, Bayt Nuba (Bethnoble), al-Qubaiyba (Parva Mahomeria) und al-Nabi Samwil (Mons Gaudii) ging. Die südliche Straße, die durch Abu Gosch führte, wurde in der frühen muslimischen Zeit benutzt, aber kam während des 12. Jh.  fast außer Gebrauch. (Ronnie Ellenblum, op. cit., S. 115). Die Route des Ersten Kreuzzuges ging also durch Emmaus-Nikopolis. Anfang Juni 1099 verließen die Kreuzfahrer die Stadt von Ramla und erreichten Emmaus, wo sie rasteten, bevor sie nach Jerusalem weiterzogen.

 

Unter modernen Historikern besteht kein Konsens darüber, wo die Kreuzfahrer ihr Lager aufschlugen. So schließen Vincent und Abel (Vincent & Abel, „Emmaus“,

Paris, 1932, S. 382 und 386) nicht aus, dass dies in der Nähe des jetzigen Abu Gosch geschehen haben könnte. Es gibt jedoch einige starke Argumente, die auf einen Aufenthalt in Emmaus-Nikopolis hinweisen.

Nachdem es Ramla verlassen hatte, konnte das Kreuzfahrerheer nicht mehr als 18 km in einem Tag marschiert sein. In einem anderen Kontext berichtet uns Baha ad-Din, der muslimische Historiker aus dem 12. Jh.:  … Unsere Truppen hatten sich aus der Nähe des Feindes zurückgezogen und waren nach En-Natrun (Latrun) zurückgekehrt. Von diesem Ort aus nach Jaffa sind es zwei oder drei gewöhnliche Märsche für ein Heer …

(übersetzt aus: Beha ed-Din, The Life of Saladin, published by Committee of the Palestine Exploration Fund, London, 1897).

Die Entfernung zwischen Jaffa und Latrun beträgt ungefähr 36 km, mit Ramla in der Mitte beider liegend. Also können wir annehmen, dass das Kreuzfahrerheer für die Nacht ungefähr 18 km von Ramla angehalten hat, das ist nahe von Emmaus-Nikopolis.

Der französische Kanoniker Fulcher von Chartres ist der erste Chronist, der den Aufenthalt der Kreuzfahrer bei Emmaus erwähnt. Fulcher selbst war nicht an dem Marsch des Heeres nach Jerusalem beteiligt, aber er ließ sich 11 Jahre nach diesem Ereignis in der Heiligen Stadt nieder. Der erste Teil seiner Geschichte von Jerusalem (geschrieben zwischen 1100-1106), basierend auf zeitgenössischen Briefen und Dokumenten, ist eine der wichtigsten Quellen der Information über den Ersten Kreuzzug.

Als nächstes durchquerten die Franken, indem sie das Meer und die Stadt Arsuf zu ihrer Rechten ließen, die Stadt, welche Ramatha oder Arimathea heißt. Ihre sarazenischen Einwohner waren tags zuvor geflohen. Die Franken fanden dort viel Korn, das sie auf ihre Tiere luden und nach Jerusalem beförderten. Nachdem sie dort vier Tage verweilt und für die Basilika des heiligen Georg einen Bischof ernannt hatten und auf den Verteidigungsanlagen der Stadt Männer aufgestellt hatten, richteten die Franken ihren Weg gen Jerusalem. An jenem Tag gingen sie bis Emmaus, in dessen Nähe sich Modeïn, die Stadt der Makkabäer, befindet.

In der kommenden Nacht bestiegen hundert ausgesuchte Ritter ihre Pferde und eilten, wobei sie bei Tagesanbruch in der Nähe von Jerusalem vorbeikamen, nach Bethlehem. Einer von ihnen war Tankred und ein anderer Balduin ... Nachdem sie in der Basilika der heiligen Maria fromme Gebete an Gott gerichtet und nachdem sie den Ort besucht hatten, wo Christus geboren wurde und den Syrern den Friedenskuß gegeben hatten, gingen die Unseren in Eile in Richtung der Heiligen Stadt, Jerusalem, zurück.

Siehe, da erschien der Rest des Heeres, welches sich der Stadt näherte. Es hatte Gibeon, fünfzig Stadien von Jerusalem entfernt, zur Linken passiert, Gibeon, wo Josua der Sonne und dem Mond Befehle gab. Als die Standartenträger der Vorhut auf den Höhen den Bürgern ihre Fahnen entfalteten, machten letztere sogleich einen Ausfall wider sie. Doch sie, die rasch herauskamen, wurden noch schneller in die Stadt zurückgetrieben.

Der Juni war bereits von der Hitze seiner siebten Sonne gerötet,

Als die Franken Jerusalem belagernd einschlossen.

(Fulcher von Chartres, Geschichte von Jerusalem, Buch 1, Kap. 25, Übersetzung von Manfred Hiebl, http://www.manfredhiebl.de/Fulcher-von-Chartres/fulcher1.htm ; siehe Original: Fulcherii Carnotensis Historia Hierosolymitana, H: Hagenmeyer, Hrsg., Heidelberg, 1913, S. 275-281).

Fulcher sagt uns, dass die Kreuzfahrer Emmaus an demselben Tag erreichten, als sie Ramla verließen. Wie wir gesehen haben, war das Heer nicht in der Lage, 35 km in einem Tag zurückzulegen, um so das Gebiet von Abu Gosch zu erreichen. Fulchers Erwähnung von Modeïn weist auch auf Emmaus im Ajalon-Tal hin (auch wenn einige Pilger während der Kreuzfahrerzeit Modeïn nahe an das heutige Abu Gosch verlegten. (Siehe unten, Identifizierung von Abu Gosch mit Emmaus).

Die nächste Chronik des ersten Kreuzzuges, Gesta Francorum Iherusalem expugnatium (Geschichte der Franken, als sie Jerusalem einnahmen) geschrieben ungefähr 1108 von Bartolf von Nangis, ist hauptsächlich auf das Werk von Fulcher gegründet, aber enthält auch einige eigene Details. Hier ist Bartolfs Beschreibung des Aufenthalts der Kreuzfahrer in Emmaus:

Die Franken, begeistert und vertrauend auf Gottes Barmherzigkeit, dass Er ihnen durch die Gnade des Heiligen Geistes beistehen würde, … setzten einen Bischof in der Kirche des hl. Georg ein, welche auf wunderbare Weise nahe der Stadt von Ramla gegründet worden war, und stellten Wachen in den Zitadellen um die Kirche herum auf, und erreichten am selben Tag das Dorf namens Emmaus, sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. (Übersetzt aus dem Französischen: Recueil des historiens des croisades, Historiens occidentaux, Paris, 1866, Bd. 3, S. 308-309). Die Entfernung von 60 Stadien (12 km), die hier erwähnt wird, stimmt nicht mit der Lage von Emmaus-Nikopolis überein, aber sie könnte von Einfluss von Lukas 24,13 auf Bartolf stammen.


Der Kanoniker Albert von Aachen, der das Heilige Land nie besuchte, stellte seine eigene Chronik über den Ersten Kreuzzug auf der Basis von schriftlichen und mündlichen Berichten von Augenzeugen zusammen. Seine Historia Hiersolymitanae Expeditionis (Die Geschichte der Expedition nach Jerusalem), wurde zwischen 1125 und 1150 geschrieben und ist ein ursprüngliches Werk, das nicht von anderen, uns bekannten Chroniken, zehrt. Hier steht, was er uns über den Aufenthalt der Kreuzfahrer in Emmaus sagt:

Am Morgen des vierten Tages brachen die Pilger von Ramleh auf. Sie hatten beschlossen, bis zum Fuße der Berge vorzurücken, in deren Mitte die Stadt Jerusalem liegt, aber an jener Stelle litten sie zu sehr Wassermangel. Als sie von ihrem sarazenischen Führer hörten, dass 3 Meilen (2 Meilen nach anderen Manuskripten) davon entfernt, beim Castellum Emmaus, Zisternen und fließende Quellen seien, schickten sie eine starke bewaffnete Mannschaft dorthin. Diese brachte von dort nicht bloß viel Wasser, sondern auch reichlich Futter für die Pferde.

Am diesem Ort und in dieser selben Nacht sahen sie eine Mondfinsternis, es war der 15., dieser Planet verlor völlig seinen Schein und war bis Mitternacht mit einer Farbe von Blut gefärbt. Alle, die dies sahen, hätten von einem großen Zittern übermannt werden sollen, hätte es da nicht ein paar Männer gegeben, die in der Kenntnis der Sterne versiert waren und sie trösteten, dass nämlich dieses Wunder überhaupt kein böses Zeichen für die Christen sei und, dass diese Verdunkelung des Mondes, diese Veränderung der Farbe in Blut, ohne Zweifel die Vernichtung der Sarazenen andeutete. Sie behaupteten zur gleichen Zeit, dass eine Sonnenfinsternis ein gefährliches Zeichen für die Pilger sein würde.

Als nun die Christen mit dem ganzen Heere an jener Stelle, nahe an dem Gebirge von Jerusalem lagerten, kam kurz vor Abend eine Gesandtschaft der Katholiken von Betlehem und besonders jener, welche von den Sarazenen heim Herannahen der Christen aus Jerusalem vertrieben worden waren. Sie baten den Herzog Gottfried flehentlich, er möge doch, um des Namens Jesu willen, ohne Zögern ihnen zu Hilfe eilen… Darauf ließ der Herzog noch in derselben Nacht gegen hundert auserlesene bepanzerte Ritter zum Schutze der bedrängten Christen nach Bethlehem vorauseilen. Diese ritten mit der größten Schnelligkeit die ganze Nacht hindurch; sie legten 6 Meilen zurück und kamen beim ersten Tagesanbruch nach Bethlehem... Kaum hatten diese Ritter das Lager verlassen, da verbreitete sich sofort, wie ein Lauffeuer, im ganzen Heere die Kunde von der Gesandtschaft der Bethlehemiten an den Herzog, und Mitternacht war kaum vorüber, als sofort alle, Groß und Klein, das Lager aufhoben und den Weg durch die Engpässe .... (Albert von Aachen, Historia Hierosolymitanae Expeditionis, Buch V, Kap. 43-45, von uns übersetzt. Siehe auch: Albert of Aix, Historia Ierosolimitana, herausgegeben und übersetzt von S.B.Edginton, Clarendon press, Oxford, 2007, S. 398-401).


Nach Albert von Aachen machte das Heer über Nacht an einem Ort, wo die Berge von Jerusalem anfangen Halt, das heißt nahe von Emmaus im Ajalon-Tal. Die Entfernung von sechs Meilen zwischen dem Kreuzfahrerlager und Betlehem, die von Albert erwähnt wird, entspricht der Lage von Emmaus-Nikopolis, wenn man davon ausgeht, dass der Autor die deutsche Meile verwendet, die ungefähr 7 km entspricht. Die, in diesem Text erwähnte, Castellum Emmaus (Dorf von Emmaus) in einer Entfernung von zwei oder drei (deutschen?) Meilen (14-21 km) von Emmaus- Nikopolis könnte sich dann auf Abu Gosch beziehen.

Wilhelm, der Erzbischof von Tyrus, war kein Zeitgenosse des  Ersten Kreuzzuges, aber wurde Anfang 12. Jh. in Jerusalem geboren und erzogen. Seine Chronik „Historia rerum in partibus transmarinis gestarum“  (Geschichte der Taten, die Übersee vollbracht wurden), geschrieben 1170-1184, ist eine der wichtigsten Quellen der Information über die fragliche Periode, basierend auf frühen historischen Quellen, einschließlich jener, die gegenwärtig verloren sind. Dies ist die Beschreibung des Aufenthalts des Heeres in Emmaus:

Nachdem sie nun drei Tage hier gelegen hatten, ließen sie eine Mannschaft zum Schutz des festesten Teils der Stadt zurück und machten sich dann in der ersten Frühe auf, ihr Vorhaben auszuführen. Sie nahmen kluge und über die Gegend kundige Männer als Wegweiser und kamen so nach Nikopolis. Nikopolis ist eine Stadt in

Palästina, die, solange sie noch ein Flecken war, Emaus hieß, unter welchem Namen sie in den heiligen Evangelien vorkommt, wo der heilige Evangelist Lukas auch sagt, sie sei sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Sozomenus im sechsten Buch seiner „Historia tripartita“ sagt folgendes von ihr: Die Römer nannten diesen Ort, nachdem sie Jerusalem zerstört und die Juden besiegt hatten, zum Andenken dieses Sieges Nikopolis. Vor dieser Stadt, an der Wegkreuzung, wo Christus nach seiner Auferstehung mit Kleophas wandelte, um nach einem anderen Flecken zu gehen, ist eine heilsame Quelle, in welcher durch Baden die Krankheiten der Menschen geheilt und auch andere Geschöpfe von verschiedenen Übeln befreit werden, was daher kommen soll, dass Christus hier einmal mit seinen Jüngern sich aufgehalten und die Füße gewaschen habe, wodurch das Wasser für verschiedene Leiden heilsam geworden sei. Dies sagt der genannte Geschichtsschreiber von dem Kastell Emaus, wo sie diese Nacht, reichlich mit Wasser und Lebensmitteln versehen, in Ruhe zubrachten und wo um die Mitte der Nacht eine Gesandtschaft der Bewohner der Stadt Bethlehem bei Herzog Gottfried erschien und ihn dringend und flehentlichst bat, er möchte einen Teil seiner Mannschaft dort hinsenden. Die Feinde eilten nämlich aus allen benachbarten Städten und aus allen Orten der Umgegend nach Jerusalem, teils um die Stadt zu schützen, teils um hier für sich selbst Rettung zu finden. Die genannten Gläubigen aber fürchteten, diese möchten, wenn sie in ihr Gebiet kommen, ihre Kirche zerstören, für deren Erhaltung sie den Feinden schon mehrmals einen hohen Preis bezahlt hatten. Als der Herzog die Forderung der gläubigen Brüder hörte, bewilligte er mit frommem Herzen ihr Begehren und wählte hundert wohlgerüstete Reiter aus, die zum Schutz des genannten Ortes mit den Gläubigen dahin ziehen sollten… Die aber, welche beim Herrn zurückgeblieben waren, brachten, da sie jetzt wussten, wie nahe sie den heiligen Orten seien, denen zuliebe sie so viele Mühen und so viele Gefahren schon seit drei Jahren ausgestanden hatten, vor Begierde ihre Reise zu vollenden die ganze Nacht schlaflos zu. Sie wünschten sehnlichst die Morgenröte herbei, um endlich das Ziel ihrer Reise und den Abschluss ihrer langen Pilgerschaft zu erblicken. Die Nacht schien ihnen ungewöhnlich lang; es war ihnen, als ob sie noch einen Teil des künftigen Tages für sich in Anspruch genommen hätten. Ihrer glühenden Sehnsucht war jede Zögerung verhasst, wie es im Sprichwort heißt: „Einem Sehnsüchtigen geht alles zu langsam und wiederum: Die Wünsche wachsen durch den Aufschub. Nachdem es aber im Lager bekannt geworden war, dass der Herzog in dieser Nacht Gesandte von Bethlehem empfangen und der Stadt einige aus dem Heer zur Hilfe gesandt habe, konnten sie die Erlaubnis zum Aufbruch nicht länger mehr erwarten. Ohne die Bequemlichkeit, welche der Tag den Wanderern darbietet, abzuwarten, riefen sie sich in der Stille der Nacht gegenseitig wach, schalten auf die Zögerung und brachen gegen den Willen der Fürsten zur Reise auf. („Geschichte der Taten, die Übersee vollbracht wurden“, von Wilhelm, Erzbischof von Tyrus, Buch VII, Kap. 24-25, geschrieben zwischen 1170 und 1184, übersetzt von Manfred Hiebl, http://www.manfredhiebl.de/Wilhelm-von-Tyrus/tyrus7.htm).


Dass die heilige und gottgeliebte Stadt Jerusalem auf Hügeln erhöht liege, ist bekannt. Auch wissen wir aus alten Nachrichten, dass sie im Stamm Benjamin gelegen ist. Auf der Abendseite hat sie den Stamm Simeon, das Philisterland und das mittelländische Meer, von dem sie, wo sie ihm am nächsten liegt, bei der uralten Stadt Joppe, vierundzwanzig Meilen entfernt ist. Zwischen ihr und dem Meer liegen das Kastell Emaus, das, wie schon gesagt, nachher Nikopolis geheißen wurde und der Ort ist, wo der Herr seinen Jüngern nach der Auferstehung erschien, sodann Modin, die Burg der heiligen Makkabäer, Nobe, der Priesterflecken, wo David, als er hier mit seinen Knaben hungernd ankam, die Schaubrote aß, die ihm Ahimelech darbot, Diospolis, das ist jenes Lidda, wo Petrus den Gichtbrüchigen, der Äneas hieß und seit acht Jahren gichtbrüchig auf dem Bett gelegen war, wieder gesund machte, und das schon genannte Joppe, wo derselbe Petrus eine an guten und mildtätigen Werken reiche Schülerin, mit Namen Tabea, zur Freude der Heiligen und der Witwen von den Toten erweckte… (op. cit., Buch VIII, Kap. 1 übersetzt von Manfred Hiebl,  http://www.manfredhiebl.de/Wilhelm-von-Tyrus/tyrus8.htm).

Es ist offensichtlich, dass Wilhelms Bericht von Emmaus auf den alten byzantinischen Schriftstellern basiert (siehe oben, Byzantinisches Zeitalter), die das Emmaus des Evangeliums im Tal von Ajalon ansiedelten. Er erwähnt Emmaus unter anderen Orten, die an der Küstenebene liegen (Shephelah): Modeïn, Nobe (Beit Nuba, das heutige Mevo Horon), Lydda und Jaffa. Daher können wir sicher sein, dass nach Wilhelm von Tyrus der Halt des Kreuzfahrerheers in Emmaus-Nikopolis stattgefunden hat.

 

Emmaus-Nikopolis auf dem Teil einer Landkarte des Heiligen Landes aus dem 12. Jh. Die Landkarte geht auf die Beschreibungen des Heiligen Landes von 

Eusebius von Caesarea und von hl. Hieronymus zurück (British Library, London) 


Anscheinend fanden die Kreuzfahrer die Basilika von Emmaus-Nikopolis schon zerstört vor.

Der russische Hegumenos Daniel besuchte 1106  Emmaus und bezeugt seine Zerstörung:

… Wenn man seine Schritte von Rama nach Westen richtet, erreicht man nach vier Wersten  Emmaus, wo Christus dem Lukas und dem Kleopas am dritten Tag nach der Auferstehung erschien, als sie von Jerusalem in die Stadt gingen; und sie erkannten Ihn, als er das Brot brach. Es war eine große Stadt und es war dort eine Kirche gebaut; aber nun ist alles durch die Ungläubigen zerstört worden und die Stadt von Emmaus ist verlassen. Es liegt hinter einem Berg zur Rechten, nicht weit von der Straße von Jerusalem nach Joppe. Von Emmaus nach Lydda geht man vier Wersten über die Ebene … (The Pilgrimage of the Russian Abbot Daniel in the Holy Land 1106-1107, n. Chr.,  C.W. Wilson, Hrsg., Palestine Pilgrims’ Text Society, London, 1888, S. 52-53).

(Die, in der Epoche der Kreuzfahrer, von Wallfahrern angegebenen Entfernungen zwischen Emmaus und anderen Orten sind oft nicht exakt und sind schwierig zu verstehen. Die Russische Werste entspricht ca. 1 km. Das Emmaus von Hegumenmos Daniel liegt auf halbem Wege zwischen Rama (Grab des Propheten Samuel) und Lydda, was der Lage von Emmaus Nikopolis entspricht. Tatsächlich aber liegt Emmaus ca. 19 Wersten von Lydda entfernt.) 

 

Zu Beginn der Herrschaft der Kreuzfahrer über das Heilige Land baute König Balduin I. eine Festung im Norden von Emmaus (Castellum Arnaldi, Chastel Arnoul, Chateau Hernault), um den Zugang nach Jerusalem vom Westen her zu schützen (das heutige Tal Ajalon im Kanada Park). Die Festung wurde 1106 vom Heer der Fatimiden zerstört (Siehe: Albert von Aachen, op. cit., Buch X, 10-14) und 1132-1134 von Warmund, dem Patriarchen von Jerusalem wieder aufgebaut (Siehe: Wilhelm von Tyrus, op. cit., Buch XIV, Kap. 8). (Siehe: Adrian J. Boas, Archeology of the Military Orders, London-NY, 2006, S. 113-114, 233).

 Castellum Arnaldi, das heutige Tel Ajalon im Kanada Park, nahe von Emmaus (Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Bukvoed)



Ungefähr 1140 baute ein spanischer Graf, Rodrigo Gonzalez de Lara, eine Burg, 1 km  südlich von Emmaus und vertraute sie der Obhut der Templer an. Die Burg erhielt den Namen Toron der Ritter (Toron de los Caballeros, Toron Militium), heute Latrun:

… Nachdem Graf Gonzalez die Hand des Königs geküsst und sich von ihm und seinen Kameraden verabschiedet hatte, reiste er weit weg nach Jerusalem und kämpfte dort in vielen Schlachten mit den Ungläubigen. Er baute auch eine sehr starke Burg angesichts von Aschkalon. Diese wurde  “Burg von Toron“ genannt. Der Graf verstärkte sie mit Rittern, Infanteristen und Vorräten und übergab sie den Templern. Dann überquerte er die Adria und kehrte schließlich nach Spanien zurück … (Aus der Chronik von Alphons, dem Kaiser, Buch 1, 48, geschrieben in der Mitte des 12. Jh., Ereignisse von 1137-1141, aus: Glenn Edward Lipskey, Northwestern University Dissertation, 1972, http://libro.uca.edu/lipskey/chronicle.htm).

 


Die Kirche von Emmaus-Nikopolis wurde wahrscheinlich zur selben Zeit wieder aufgebaut. Die neue Kirchewurde, typisch für diese Zeit, im romanischen Stil errichtet und war gegen die nach Osten gerichtete Zentralapsis der byzantinischen Basilika angelehnt. Es gibt keine genaue Kenntnis über die Benutzung der Kirche in 12. Jh,, teilweise, weil die entsprechende archäologische Schicht am Ende des 19. Jh. durch die Ausgrabungen um die Kirche herum zerstört wurde (siehe D. Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 59). Nur zwei halb zerstörte Mauern der Kreuzfahrerkirche, die gegen die zentrale byzantinische Apsis gebaut waren, blieben bestehen. Das Dach der Kirche ist eingestürzt, wahrscheinlich 1834, während der Unterdrückung der lokalen arabischen Revolte durch die ägyptische Armee. (Siehe: Vincent & Abel, op. cit., S. 381). 


Die Reste einer Chorschranke aus der Kreuzfahrerzeit innerhalb der byzantinischen Hauptapsis sind auf Fotos vom Anfang des 20. Jh. noch sichtbar. Die Schranke verschwand während des Ersten Weltkrieges und wurde wahrscheinlich von türkischen Soldaten, welche in den Ruinen lagerten, zerstört.

 










 

Eine blaue Marmorplatte ist noch vorhanden und Teil eines Tympanons oder eines Altarretabels der Kreuzfahrerkirche von Emmaus. Sie trägt das Bild des Gotteslammes und eine lateinische Inschrift „…S LIBRAT QWI SIDERA PALMO CMPOHET“ („Wer hat die Wasser mit seinem Handteller gemessen, oder mit der Breite seiner Hand die Himmel gemessen?“ -  Jesaia 40,12). (Aus der Sammlung der Abtei von Latrun, siehe: 

F.-M. Abel, „Retable médiéval d’Amwas avec inscription“, „Vivre et penser“, 1941).






Die Burg von Latrun wurde nie Gegenstand einer ausführlichen archäologischen Untersuchung. Wir wissen, dass es darin eine Kirche gab, die von christlichen Pilgern, so spät wie im 16. Und 17. Jh. erwähnt wurde.

 Die Templer haben Latrun scheinbar mit den Makkabäern verbunden und es als Modeïn identifiziert. In einer der mittelalterlichen Chroniken wird die Burg von Latrun mit dem Namen „Turemod“ oder „Turemund“ genannt, das würde bedeuten: Toron von Modeïn (siehe: Denys Pringle, op. cit., Bd. 2, S. 5-6, Vincent & Abel, op. cit., S. 372-374). Christliche Pilger aus dem Mittelalter erwähnen die Gräber der Makkabäer bei Emmaus-Latrun (Siehe unten, Epoche der Mameluken). Diese Überlieferung bestand bis ins 19. Jh. (Siehe unten, Epoche der Ottomanen).




 

Säulenkapitel der Burg von Latrun (Kreuzfahrerzeit), heute in Istanbul

 








Emmaus in Abu Gosch:

 

Beginnend mit der zweiten Hälfte des 12. Jh. geben westchristliche Pilger Emmaus als nahe von Abu Gosch liegend an. Der älteste bekannte Text, der diese Identifikation enthält, stammt aus dem 12. Jh.:

Das Dorf von Emmaus (Castellum Emmaus), welches von dem Haus (von Zacharias oder En Kerem) eine große Meile entfernt ist und in derselben Entfernung von Jerusalem liegt … In diesem Dorf steht nun, tatsächlich an dem Ort, wo Christus den beiden Jüngern erschien, eine Kirche. (Belard von Ascoli, „Die Wallfahrt nach Jerusalem“, geschrieben zwischen 1112 und 1165, Siehe: Ronny Ellenblum, op. cit.; S. 113, Wilkinson, Hill, Ryan, Jerusalem Pilgrimage 1999-1185, London, 1988, S. 231).

 


Teil einer Landkarte des Heiligen Landes, Anfang 13. Jh. (Corpus Christi College, Oxford)

Emmaus erscheint südlich vom Grab des Propheten Samuel, im Gebiet von Abu Gosch oder Motza.


Der Grund, warum sich der Wallfahrtort  Emmaus nach Abu Gosch bewegte, war ein praktischer. Pilger konnten dort von Jerusalem aus leichter hinkommen und außerdem entsprach der Ort besser der Entfernung von 60 Stadien (12 km, 7 Meilen), die in vielen Manuskripten des Lukasevangeliums erwähnt wird. (Siehe: Vincent & Abel, op. cit., S. 386-387, Carsten Peter Thiede, The Emmaus Mystery, London-NY 2005, S. 62-63).

 

Ausgehend von Jerusalem würden die Pilger Emmaus-Abu Gosch über En Kerem erreichen:

Von dort aus geht man weiter nach St. Johannes oder zu dem Ort, der „Im Walde“ genannt wird, wo dessen Vater Zacharias und seine Mutter, Elisabeth lebten, und wo der hl. Johannes selbst geboren wurde, wo auch die heilige Maria, nachdem sie den Gruß des Engels in Nazareth empfangen hatte, hinkam und die hl. Elisabeth grüßte. Nahe von diesem Ort liegen die Berge von Modeïn, wo Mattatias mit seinen Söhnen saß, als Antiochus die Stadt und die Kinder Israels im Sturm einnahm. Diese Berge werden von den Modernen Belmont genannt. Nahe von diesen Bergen liegt das Dorf von Emmaus, welches die Modernen Fontenoid nennen, wo der Herr zweien Seiner Jünger am Tag Seiner Auferstehung begegnete. Nicht weit von dort liegen die Berge von Ephraim, welche Sophim genannt werden … (Der deutsche Mönch Theoderich (Theodericus monachus), „Libellus de Locis Sanctis“, geschrieben ungefähr 1172. Unsere Übersetzung aus: Wilkinson, Hill, Ryan, op. cit., S. 57). Dieser Text zeigt, dass zu jener Zeit Emmaus und Modeïn in das Gebiet von Abu Gosch verlegt wurden, was bedeutet, dass die Kreuzfahrer das Emmaus der Makkabäer und das des Lukasevangeliums gleichsetzten.

 

Auch der römisch-byzantinische Name von Emmaus-Nikopolis wurde auf Abu Gosch übertragen:

Am selben Tage noch, als es bereits Abend geworden war, erschien Christus, verborgen in der Gestalt eines Fremdlings, zweien seiner Jünger, als sie kummervoll ob Seines Todes am Wege dahin wanderten gen Nikopolis, das ist Emaus, einer sechs Meilen westwärts von Jerusalem gelegenen Stadt, wo Er von ihnen als Gast aufgenommen ward und durch das Brechen des Brotes von ihnen erkannt wurde dann sofort verschwand (Der deutsche Pilger Johannes von Würzburg, „Descriptio Terrae Sanctae“, übersetzt von: Ferdinand Khull, Hrsgb, „Zweier deutscher Ordensleute Pilgerfahrten nach Jerusalem“, Graz, 1895, S. 130ff)

Vier Leugen westlich von Jerusalem liegt Emmaus, wohin der Herr mit zwei Jüngern als Wanderer ging und wo Er am Brotbrechen erkannt wurde. Heute heißt dieser Ort Nikopolis. (Burchardus de Monte Sion (Burchard vom Berg Zion), „Descriptio terrae sanctae“, geschrieben um 1283, siehe:  Peregrinatores Medii Aevi Quatuor, J.C.M. Laurent, Herausgeber, Lipsiae, 1864, S. 77).

 

Auch die alte Überlieferung der Wasserquelle von Emmaus, die von den byzantinischen Schriftstellern bezeugt wird, wurde nach Abu Gosch verlegt:

Drei Meilen im Westen von Jerusalem gibt es eine Quelle, genannt „die Quelle von Emmaus.“ Ein Dorf (castiel) war hier gelegen und es geschah, wie es das Evangelium besagt, dass der Herr nach Seiner Auferstehung mit zwei Jüngern in dieses Dorf ging und sich an dieser Quelle hinsetzte, um zu essen, aber sie erkannten Ihn nicht, bis Er das Brot brach. Dann entschwand Er von ihren Augen und sie kehrten nach Jerusalem zu den Aposteln zurück, um ihnen zu erzählen, wie sie mit Ihm gesprochen hatten. (Französische Beschreibung des Heiligen Landes, „La citez de Jerusalem“, geschrieben ca. 1170, übersetzt von: Itinéraires à Jérusalem, descriptions de La Terre Sainte, Henri Michelant, Gaston Raynaud, Hrsg., Genève, 1882, S. 47-48).

Die mittelalterliche Kirche von Abu Gosch befindet sich über einer Wasserquelle. Diese Tatsache gab den Forschern Anlass, den Ort als das Emmaus der Kreuzfahrer zu identifizieren. 

Die Kirche geht auf ca. 1140 zurück (siehe: Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 16). Seit 1141 wurde das „Land Emmaus“ den Johannitern verpachtet. Hier ist eines der mittelalterlichen Rechtstexte, welcher diese Tatsache bestätigt:

Ich, Wilhelm, der durch die Fülle der göttlichen Güte, der Patriarch der Heiligen Stadt Jerusalem ist, fand es notwendig, den Vertrag oder die freundschaftliche Vereinbarung, die zwischen den Spitalsbrüdern und Robert von Saint-Gilles und seiner Gattin, in Übereinstimmung mit Rohard dem Vicomte und seiner Gattin Gille mit Zustimmung des Herrn König Fulk und der Königin Melisande, auf Papier niederzuschreiben, wie es in meiner Gegenwart in Jerusalem und Neapolis entschieden und getan wurde und zwar nach den folgenden Einzelheiten:  Der zuvor erwähnte Robert, zusammen mit seiner Gattin, gibt der Kirche des hl. Johannes des Spitals, Raymond, dem Meister des Hauses und aller anderen Spitalsbrüder, gegenwärtig und zukünftig, das Land von Emaus, mit seinen Dörfern und was dazugehört, alle jene, die er besitzt …  vom Lehen von Rohard und dessen Gattin. Auf Grund dieses Vertrags werden die zuvor erwähnten Spitalsbrüder ihm und seinen Erben jede Ostern eine jährliche Pacht von 250 Besanten bezahlen … Das Land jedoch und alles darin, wird ständig den Spitalsbrüdern gehören, außer wenn die Spitalsbrüder es ernsthaft versäumen, sich an den zuvor erwähnten Vertrag zu halten… (Kartular des Kapitels vom Heiligen Grab von Jerusalem, 1141 n. Chr., übersetzt von: Delaville le Roulx, Hrsg., Cartulaire de l’ordre des Hospitaliers, 113-114, Paris 1894-1906 (Siehe auch: Vincent & Abel, op. cit., S. 423-424, Geneviève Bresc-Bautier, Cartulaire du chapitre du Saint-Sépulcre de Jérusalem, Paris 1984, S. 226, Regesta Regni Hierosolymitani, R. Röhricht, Innsbruck, 1893, S. 50, Nr. 201).

 Die meisten Historiker nehmen an, dass das in diesem Text erwähnte Emmaus, Abu Gosch ist. (Siehe: Ronny Ellenblum, op. cit., S. 109-118, D. Pringle, op. cit., Bd. 4, S. 249).

 

Der Identifikation von Abu Gosch als das Emmaus der Kreuzfahrer stimmen nicht alle Forscher zu. (Siehe: Michael Ehrlich, The Identification of Emmaus with Abu Gosh in the Crusader Period Reconsidered, ZDPV 112 (1996) 2). Es besteht einige Evidenz, die nahelegt, dass das Emmaus der Kreuzfahrer nahe von Motza sei. Siehe Vincent & Abel, op. cit., S. 382-385, ebenso wie die Häufig gestellten Fragen über Emmaus: Frage #3.

 



Ungefähr 1170 besuchte Rabbi Benjamin von Tudela die Gegend von Emmaus-Nikopolis. Er ist der erste mittelalterliche Reisende, der die Burg von Latrun (Toron de los Cavalleros) erwähnt, die ungefähr 30 Jahre vorher erbaut worden war:

Und von dort (geht man) fünf Parasangen bis Bet Guwrin, welches Marescha ist, wo es nur drei Juden gibt. Und von dort fünf Parasangen bis Toron de los Caballeros, welches Schunem ist, und dort gibt es ungefähr dreihundert Juden. Und von dort drei Parasangen bis St. Samuel von Schilo, das ist Schilo, das zwei Parasangen in der Nähe von Jerusalem liegt. (Die Reisen des Benjamin von Tudela, zweite Hälfte des 12. Jh., Übersetzt von uns aus: „Otzar Massaot, A compendium of Jewish Travels“, hrsgb. von  J. D. Eisenstein, N.-Y., 1926 ). Es könnten jüdische Einwohner (Arbeiter) in der Burg der Templerritter vorgefunden worden sein, aber ihre Anzahl (300) wurde wahrscheinlich durch den Schriftsteller oder Kopisten übertrieben. Die Identifizierung von Latrun als Schunem ist schwer zu erklären und nur bei Benjamin von Tudela zu finden.

1185 besuchte ein griechischer Pilger, namens Johannes Phokas, Emmaus-Nikopolis:

Ungefähr sechs Meilen von Jerusalem, der Heiligen Stadt, liegt die Stadt von Armathem (Nebi Samwil), wo der große Prophet Samuel geboren wurde; und dahinter, ungefähr sieben  Meilen oder noch ein wenig weiter, liegt die große Stadt von Emmaus, auf einem ansteigenden Hügel, in der Mitte eines Tales erbaut. Hier dehnt sich ungefähr vierundzwanzig Meilen weit das Gebiet von Ramplea (Ramla) aus, mit einer enormen Kirche des großen und heiligen Märtyrers Georg. (Unsere Übersetzung aus: Palestines Pilgrims‘ Text Society, The pilgrimage of Joannes Phocas in the Holy Land, London, 1889, S. 34).”

Nach Johannes Phokas war Emmaus zu jener Zeit eine „große Stadt.“ Wir können nur annehmen, dass es eine große landwirtschaftliche Kreuzfahresiedlung war. Eine solche Siedlung könnte nur bis zur Eroberung des Königreiches von Jerusalem 1187 durch Saladin, dem Sultan von Ägypten und Syrien, überlebt haben. (Siehe: D. Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 53). In diesem Jahr vernichtete Saladin die Kreuzfahrer in der Schlacht zu Hattin und der Großmeister der Templerritter, Gerard von Ridefort

wurde von den Sarazenen gefangengenommen. Im selben Jahr nahm Saladin Jerusalem und die meisten der Städte Palästinas ein. Die Burg von Latrun wurde 1188 von den Templerrittern, im Austausch für die Freilassung ihres Großmeisters, an Saladin übergeben.

Zu Beginn des Jahres 1189 kamen neue Streitkräfte der Kreuzfahrer in das Heilige Land, um gegen Saladin zu kämpfen (der Dritte Kreuzzug). Im Rückzug angesichts der Kreuzfahrer, zerstörte Saladin die Mauern einiger Festungen, einschließlich derer von Latrun (am 2. Dezember 1191). König Richard Löwenherz marschierte gegen Jerusalem und kam am 22. Dezember 1191 nach Latrun, wo er die Weihnachtstage verbrachte. Im Juni 1192 nahm Richard Löwenherz seinen Marsch gegen Jerusalem wieder auf. Sein Heer kam durch Latrun, Castellum Arnaldi (das heutige Tel Ajalon) und Betonople (Beit Nuba, das heutige Mevo Choron).

In diesem Zusammenhang wird Emmaus einige Male erwähnt: 

Als der König (Richard) mit seinem ganzen Heer die Burg von Ernald und (das Dorf von) Betonople, nahe von Emmaus, erreicht hatte, verkündeten einige Beduinen, die dem König gegenüber loyal waren, dass eine sehr große Streitmacht sich von Babylon aus nach Jerusalem bewegte … (Radulph von Coggeshall, Chronicon Anglicanum, geschrieben Anfang 13. Jh., Ereignisse von 1192, übersetzt aus: Rerum Britannicarum Medii Aevi Scriptores, J. Stevenson, Hrsg., London, 1875, s. 37-38).

 

Am dritten Tag, am neunten Juni, bewegte sich das versammelte Heer vorwärts und kam ohne Hindernis oder Zwischenfall, in Turon der Soldaten, an. In dieser Nacht nahmen unsere Männer vierzehn Parther gefangen, die, um zu plündern, von den Bergen herunter gekommen waren. Am nächsten Tag nach dem Essen bewegte sich das Heer, als erstes der König mit seinen eigenen persönlichen Soldaten, in Richtung der Burg von Arnald vorwärts, wo er befahl, sein Zelt zur rechten und höheren Seite der Burg aufzuschlagen. Am nächsten Tag kamen die Franken an und das ganze Heer brach nach Betenoble auf, wo es einige Zeit in Erwartung des Grafen Heinrich blieb, den König Richard nach Akkon gesandt hatte, um dort wohnenden, tatenlosen Männer zum Feldzug abzuholen … Am Tag nach dem hl. Barnabas, welcher ein Freitag war, wurde der König durch einen Kundschafter benachrichtigt, dass Türken auf den Bergen lagen, um Vorbeikommenden aufzulauern. Vor Sonnenaufgang  brach der König auf der Suche nach den Türken zu den Bergen auf,  kam zum Brunnen von Emmaus, und überraschte sie zur Zeit der Dämmerung. Er warf sich auf sie,  vernichtete zwanzig, schlug die anderen in die Flucht und nahm den Herold von Saladin gefangen, der seine Erlässe zu verlautbaren pflegte … (Englische Chronik „Itinerarium Regis Ricardi“, geschrieben zu Beginn 13. Jh., Ereignisse vom Juni 1192, Unsere Übersetzung aus: Itinerarium Peregrinorum et Gesta Regis Ricardi, William Stubbs, hrsgb, London 1864, siehe auch: Hans E. Mayer, Das Itinerarium Peregrinorum. Eine zeitgenössische englische Chronik zum dritten Kreuzzug in ursprünglicher Gestalt. Stuttgart, 1962). Nach D. Pringle bezieht sich dieser Text auf Emmaus in Abu Gosch, siehe: D. Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 8: nach Pringle wurde Amwas (Emmaus-Nikopolis) nicht in den Chroniken des Dritten Kreuzzuges erwähnt, nachdem es 1187 aufgegeben worden war (siehe D. Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 53).

  

Schließlich entschied König Richard, Jerusalem nicht zu belagern und zog sich nach Akkon zurück und plante gegen Beirut zu marschieren. Saladin nahm Latrun ein und blieb dort bis zum Oktober 1192. Im August-September 1192, schlossen Richard und Saladin, nach einem erneuten Kampf um Jaffa, einen Friedensvertrag, dem zur Folge die Kreuzfahrer den Besitz des Küstenstreifens zwischen Jaffa und Tyrus behielten. Der größte Teil des Heiligen Landes blieb im Besitz der Muslime. 1193 bestimmte Saladins Sohn, al-Afdal, einen Emir als Kommandanten der Burg von Latrun, was die Wichtigkeit dieses Ortes, der sich auf der Straße zwischen Jaffa und Jerusalem befindet, beweist. (Baha ad-Din, op. cit., S. 182):

Ende des 12. Jh. gewann Emmaus eine neue religiöse Bedeutung für die Muslime. Der persische Reisende al-Harawi, der von Saladin gefördert wurde, ist der erste, der hier Gräber von zahlreichen Gefährten des Mohammed und Pestopfern von 640 nach Chr. ortete:

Man sieht in ‘Amwas die Gräber einer großen Anzahl von Gefährten des Propheten und von den Tabi’in, die hier an der Pest gestorben sind. Unter ihnen sind Abder Rahman ibn Muadh ben Dschabal und seine Kinder, Harith, der Sohn des Hisham, Souhail, Sohn des Amr, und viele andere, deren Ort der Gräber nicht genau bekannt ist. (Aboul Hassan Ali ibn Abi Bakr al-Harawi, Führer an Pilgerorte, geschrieben Anfang 13. Jh., übersetzt aus „Archives de l‘Orient latin“, Band 1 , Paris , 1881, S. 609;) 

In Bezug auf diese Gräber, siehe auch: Die früharabische Epoche.



  Römisch-byzantinisches Badehaus von Emmaus, das von Kreuzfahrern als Speicher benutzt wurde.

Von Moslems als Grab des Abu Ubaida, eines Gefährten Mohammeds, verehrt. 


Während des 13. Jh. diente die Burg von Latrun den Muslimen weiterhin im Kampf gegen die Kreuzfahrer. Am Ende des 13. Jh. gelang es den neuen Herrschern von Ägypten, den Mameluken, die Kreuzfahrer endgültig aus dem Heiligen Land zu vertreiben. Die Überlieferung von Emmaus in Abu Gosch beginnt zu verblassen, und ein neues Emmaus erscheint, das sich an der nördlichen Straße nach Jerusalem befindet, und zwar im Dorf von Parva Mahomeria (dem heutigen Qubeibeh); siehe unten: Die Epoche der Mameluken.

 Abu Gosch wird bis zum Anfang des 16. Jh. völlig vergessen, als christliche Pilger es als Anatot zu nennen beginnen,  das Dorf des Propheten Jeremias (Siehe: D. Pringle, op. cit., Bd. 1, S. 8).


Teil der Landkarte “Das Palästina der Kreuzfahrer”, hrsg. von F.J. Salmon 1924 in Jaffa, auf dem die Straßen, die Jerusalem mit Jaffa verbinden, dargestellt sind. Emmaus-Nikopolis erscheint als Imwas, Abu Gosch als „Quelle von Emmaus Fontenoid“,  Qubeibeh als „La petite Mahomerie.“ ( „die kleine Mahomerie“).



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