Die Epoche des Alten Testamentes (vor 167 v. Chr)

Das Dorf von Emmaus ist in den hebräischen Büchern des Alten Testamentes nicht erwähnt. Es ist nicht bekannt, wann es gegründet wurde, und Informationen darüber können während der  Epoche des Alten Testamentes  nur aus Legenden gezogen werden.

Nach dem Midrasch (einem jüdischen Kommentar zu den Schriften), kamen von Mose ausgesandte Kundschafter in das gelobte Land durch Emmaus:

Als Mose Kundschafter aussandte, was sahen sie als sie in Chammat ankamen? Mose hatte zu ihnen gesagt: „Tretet nicht ein wie Diebe. Habt Mut und bringt Früchte des Landes mit!“ (Vgl. Num 13,20). Aber die Amoriter begannen zu sagen: „Seht, diese Leute sind nur aus dem Grunde gekommen, um unsere Bäume zu fällen und unsere Städte niederzubrennen.“  Kundschafter gingen hinter ihnen her, und die Amoriter griffen sie an. Achiman, Schischai und Talmai folgten ihnen, bis sie im Tal von Chammat in Judäa (חמת יהודה) angekommen waren, und Kaleb fiel hinter einer Mauer um ... (Midrasch Zuta zum Hohelied 6,8;   ספר הישוב ,עורך ש' קליין, ירושלים, תרצ”ט, Bd.1, S. 48).

Während der Eroberung des Heiligen Landes, ungefähr 1200 vor Chr., kämpfte Josua gegen die Könige Kanaans zwischen Gibeon und Aseka, nahe des heutigen Emmaus. Nach dem Buch von Josua blieben die Sonne und der Mond über dem Tal Ajalon stehen, so dass die Israeliten siegreich waren, und die Finsternis ihre Feinde nicht verbergen konnte:

Der Herr sagte zu Josua: ‚Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich gebe sie in deine Gewalt. Keiner von ihnen kann dir

standhalten. Nachdem Josua die ganze Nacht von Gilgal her auf dem Marsch gewesen war, stieß er plötzlich auf sie. Der Herr versetzte sie beim Anblick der Israeliten in Verwirrung, so dass Josua ihnen bei Gabeon eine schwere Niederlage beibringen konnte. Er verfolgte sie in Richtung auf die Steige von Bet-Choron und schlug sie bis nach Aseka und Makkeda zurück. Als sie auf der Flucht vor Israel an den Abhang von Bet-Choron kamen, warf der Herr große Steine auf sie vom Himmel her, bis nach Aseka hin, so dass viele umkamen. Es kamen mehr durch Hagelsteine um, als die Israeliten mit dem Schwert töteten. Damals, als der Herr die Amoriter den Israeliten preisgab, redete Josua mit dem Herrn; dann sagte er in Gegenwart der Israeliten: Sonne bleib stehen über Gibeon und du, Mond über dem Tal von Ajalon! Und die Sonne blieb stehen und der Mond stand still, bis das Volk an seinen Feinden Rache genommen hatte. (Aus dem Buch Josua 10, 8-13)

Josua teilte das gelobte Land zwischen den zwölf Stämmen von Israel auf, und das Gebiet, wo Emmaus heute liegt, wurde dem Stamm Dan gegeben:  Das siebte Los fiel auf den Stamm der Daniter und ihre Sippen. Das Gebiet ihres Erbbesitzes umfasste Zora, Eschtaol, Ir-Schemesch, Schaalbim, Ajalon, Jitlla, Elon, Timna, Ekron, Elteke, Gibbeton, Baalat, Jehud, Bene-Berak, Gath-Rimmon, Me-Jarkon und Rakkon samt dem Gebiet gegenüber Jafo. (Aus dem Buch Josua 19, 40-46)

Einige glauben, dass Ir-Schemesch („Stadt der Sonne“), welches in dem Text erwähnt wird, Emmaus sei, denn in einer Handschrift der Septuaginta, Codex Vaticanus, wird Ir-Schemesch als Polis Samaus wiedergegeben (Siehe: Hadrian Reland, Palestina ex monumentis veteribus illustrata, Trajecti Batavorum (Utrecht), 1714, Bd. II, Seiten 656-657,  siehe hier; Vincent & Abel, „Emmaüs“, Paris, 1932, Seiten 285-286, 412-413; Edward Robinson, „Researches in Palestine, Mount Sinai and Arabiae Petrae“, Bd.III, London, 1841, S.19, Fußnote 6, siehe hier)

Die Schriften des heiligen Hieronymus scheinen auch zu bestätigen, dass Emmaus während der Epoche des Alten Testamentes existierte, und dass die Stadt zum Stamme Dan gehörte:

Der siebte (Stamm) Dans hinauf nach Jafo, dort sind die Städte (turres in Latein) von Ajalon, Selebi und Emmaus, welches heute Nikopolis genannt wird (Kommentar zum Buch Ezechiel 48, 22, geschrieben 414 n. Chr., PL XXV, 488).

(Zur Zeit des Propheten Obadja) lebten die Einwohner von Schefela, der Küstenebene, in Lydda und Emmaus, das bedeutet in Diospolis und Nikopolis. Sie lebten in fünf Städten der Philister, Gaza, Aschkalon, Azotus, Akkaron, und Gath, die an der Küste liegen, die in der Apostelgeschichte Saron genannt wird. (Kommentar zum Buch von Obadja, geschrieben 396 nach Chr., PL XXV, 1113).

Die meisten Forscher glauben jedoch, dass Ir-Schmesch und Emmaus verschiedene Orte sind.


Eine interessante Legende, betreffend Emmaus während der Epoche des Alten Testamentes, stammt aus der muslimischen Überlieferung. 

Zur Zeit Salomons war der Fels von Bajt al-Maqdis (der Tempel von Jerusalem) 12 Ellen hoch. Es war die „gute“ Elle, gleich einer Elle, und eine Spanne und eine Handbreit. Die Höhe der Kuppel war 18 Meilen über dem Felsen. Es wird (von anderen) berichtet, dass es nur 12 Meilen gewesen seien. Oben auf der Kuppel stand eine goldene Gazelle, die zwischen ihren Augen eine Perle oder einen roten Hyazinth hatte. Dank des hellen Lichtes dieses Steines konnten Frauen von al-Balqa‘ (Transjordanien) während der Nacht spinnen. Dieses Gebiet von al-Balqa‘ liegt mehr als zwei Etappen von Jerusalem weg. Die Bewohner von Amawas (Emmaus) pflegten sich im Schatten der Kuppel zu bergen, wenn die Sonne im Osten aufging ... Amawas ist nahe von Ramla in Palästina. Es ist ein einhalb Barid (ca. 29 km) weg von Jerusalem. Zur Zeit der Abenddämmerung war es das Volk von Bajt ar-Rama und anderen Einwohnern von al-Gawr (Transjordanien), die sich im Schatten der Kuppel zu bergen suchten. Bajt ar-Rama ist weiter von Jerusalem entfernt als Amawas ...

(Mudschir ad-Din, „Die Geschichte von Jerusalem und von Hebron“, (Ende 15. Jh. - Anfang 16. Jh.), übersetzt von Marmardji, „Textes geographiques arabes sur la Palestine“, Paris, 1951, S. 245)


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