Die früharabische Epoche (637-1099)

Das Heilige Land wurde zwischen 634 und 640 n. Chr. auf die Initiative der Kalifen Abu Bakr (gest. 634) und Umar (gest. 644) hin, die die Eroberungen von Mohammed (gest. 632) fortsetzten, von arabischen Stämmen erobert. Die arabischen Armeen wurden von den Generälen‚ Amr ibn al-‘As, Yazid ibn Abi Sufyan, Schurahbil ibn Hasanah, und Abu ‘Ubaida ibn al-Dscharrah befehligt.

Emmaus (‘Amawas) wurde vom persischen Historiker al-Baladhuri (9. Jh.) unter den Städten, die von den Muslimen im Jahr 634 erobert wurden, genannt.

Abu-Hafs ad-Dimaschki von gelehrten Scheichs: - Der erste Konflikt zwischen Moslems und Griechen fand im Kalifat von abu-Bakr in der Provinz von Palästina statt; derjenige der den Hauptbefehl über die Moslems hatte, war ‘Amr ibn-al ‘Asi. Später, unter dem Kalifat von abu-Bakr, bewirkte ‘Amr ibn-al-‘Asi die Eroberung von Ghazzah, dann von Sabastiyah (Samarien) und Nabulus (Neapolis) mit der Abmachung, dass er den Bewohnern die Sicherheit ihres Lebens, ihres Besitzes und ihrer Häuser garantierte, unter der Bedingung dass sie eine Kopfsteuer zahlten, und kharaj auf ihr Land.. Dann eroberte er Ludd (Lydda) und seinen Distrikt, und Jubna (Jawne oder Jawneel), ‘Amawas (Emmaus) und Bait-Dschabrin (Eleutheropolis, Beit-Guvrin) wo er sich selbst ein Anwesen nahm, welches er ‘Ajlan nach einem von ihm Freigelassenen nannte. Dann eroberte er Jaffa ..

(Al-Baladhuri, Das Buch der Eroberungen, 138 (9. Jh.), übersetzt aus: The origins of the Islamic state, being a translation from the Arabic accompanied with annotations, geographic und historic notes of the Kitab futuh al-buldan of al-Immam Abu-l Abbas, Ahmad ibn-Jabir al-Baladhuri, Philip Khuri Hitti, Übers.,  N.Y., 1916, S. 213)


Das Heilige Land unter den Kalifen. Emmaus wird als ‘Amwas bezeichnet→

Während der vorhergegangenen römisch-byzantinischen Epoche, wurde Emmaus offiziell Nikopolis genannt, und die Tatsache, dass die arabischen Quellen es als ‘Imwas, ‘Amwas oder ‘Amawas erwähnen, zeigt, dass sein ursprünglicher Name in der Erinnerung des Landesbevölkerung über Jahrhunderte hin bewahrt, und von den Moslems übernommen wurde. Dieser Name von Emmaus-‘Amwas hat im Munde der arabischen Bevölkerung von Palästina bis auf den heutigen Tag überlebt. Emmaus Nikopolis ist also der einzige der Bewerber für den Titel des Emmaus des Evangeliums, das den Namen von Emmaus ohne Unterbrechung durch die Zeiten hindurch getragen hat. (Siehe: Häufig gestellte  Fragen zu Emmaus, Fragen #3 und #7)

Der moderne Historiker Moshe Gil schreibt: „Wir wissen wenig davon, was in Palästina während der Herrschaft der „rechtgeleiteten“ Kalifen oder „al-Raschidun“ geschah: Abu Bakr, Umar ibn al-Chattab (getötet 644), Uthman ibn Affan (getötet 656) und Ali ibn Abi Talib (getötet 661)“ (Moshe Gil, Palestine under the Moslems, Cambridge, 1997, S. 75). Ein wichtiges Zeugnis über die Ereignisse dieser Epoche findet sich in der Predigt über die Epiphanie, die vom hl. Patriarchen Sophronius von Jerusalem (gest. 638) zur Zeit der arabischen Invasion gehalten wurde. Der Patriarch beschreibt die Situation im Heiligen Land wie folgt:
… die Sarazenen überrennen die Orte, deren Zutritt ihnen nicht gestattet ist, plündern die Städte, verwüsten die Felder, brennen die Dörfer nieder, zünden die heilige Kirchen an, stürzen die ehrwürdigen Klöster… (Übersetzt aus: Robert G. Hoyland, Seeing Islam as Others Saw It, Princeton, 1997, S. 73). Es ist bekannt, dass Dörfer und Kirchen, die sich weigerten, den Eroberern den Tribut zu zahlen, von den Moslems zerstört wurden. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass die südliche byzantinische Basilika in Emmaus in der ersten Hälfte des 7. Jh. zerstört worden ist.

Nach  L.-H. Vincent & F.-M. Abel, (Emmaüs, sa Basilique, son histoire, Paris, 1932, Seiten 248-249, 268), diente das Gebäude der nördlichen byzantinischen Basilika als Moschee zu einer Epoche, die „irgendwann zwischen der Mitte des 7. Jh. bis Ende 11. Jh. angenommen werden kann“. Die archäologischen Ausgrabungen vor Ort zeigten „eine Umstrukturierung, die von den Arabern hervorgerufen wurde, die die Narthex abtrugen, die Ausrichtung der vorderen Mauer der Langschiffe änderten, die Apsis durch eine Plattform unklarer Form ersetzten und den Mosaikboden beschädigten, indem sie alle Bilder auslöschten und so das Gebäude passend für den islamischen Kult machten“ (op. cit., S. 249).




 
 
 
 

Arabische Öllampen aus Ton (ca. 7. Jh.), gefunden bei den Ausgrabungen in Emmaus 



Ein wichtiges Ereignis, das mit Emmaus verbunden ist, und von vielen alten muslimischen Historikern erwähnt wird, war die Pestepidemie von 639 n. Chr. Zu diesem Zeitpunkt war die Gegend von Emmaus anscheinend ein Verwaltungszentrum geworden und Zentrum für viele arabische Truppen. Das erklärt die Tatsache, dass diese Pest, die in ganz Syrien wütete, „die Pest von ‘Amawas“ genannt wurde.

Der persische Historiker Al-Baladhuri (9. Jh.) beschreibt die Pest auf diese Weise:
Die Pest von ‘Amawas brach im Jahr 18 aus. Ihr fielen viele Muslime zum Opfer, unter ihnen war auch Abu ‘Ubaidah ibn al-Dscharrah (der 58 Jahre alt war und Kommandant in der Armee) und Mu’adh ibn Dschabal von banu-Salimah von al-Chasradsch, der abu-‘Abd-ar-Rahmân genannt wurde und der im Bezirk von al-Uchuwanah in der Provinz des Jordans im Alter von 38 Jahren starb. Diesen Mu’adh bestimmte Abu‘Ubaidah bei seinem Tod zu seinem Nachfolger. Anderen gemäß, ernannte er ‘Ijad ibn-Ghanm al-Fihri. Einige andere sagen, er ernannte ‘Amr ibn-al‘Asi, der seinen eigenen Sohn als Nachfolger ernannte und nach Ägypten ging. Al-Fadl ibn-al‘Abbas ibn-‘Abd-al Muttabib, auch abu-Muhammad genannt, fiel, einigen zu  Folge als Märtyrer in Ajnadin, aber Tatsache ist, dass er der Pest in ‘Amawas zum Opfer fiel. Andere Opfer waren Schurahbil ibn Hasanah, auch genannt abu-‘Abdallah (der mit 69 Jahren starb), Suahil ibn-‘Amr von banu-‘Amir ibn-Lu‘ai, auch abu-Yazid genannt, und al-Harith ibn-Hischam ibn al-Mughirah-l-Makhsumi (der, nach der Aussage anderer, als Märtyrer in der Schlacht zu Ajnadin fiel)… 

Al-Baladhuri, Das Buch der Eroberungen, 139 (9. Jh.) übersetzt aus: The origins of Islamic State, being a translation from the Arabic accompanied with annotations, geographic and historic notes of the Kitab futh al-buldan of al-Imam Abu-l Abbas, Ahmad ibn-Jabir al Baladhuri, (Philip Khuri Hitti, Übers., N.Y., 1916, S. 215).


Auch der arabische Historiker und Geograph aus dem 9. Jh. al-Yaqubi bezeugt:
Die Pest wütete in Syrien. Es war die jenige von ‘Amawas. In jenem Jahr starben zwanzig-tausend Mann durch die Pest von ‘Amawas, außer denen, die nicht gezählt wurden. Die Preise stiegen. Die Menschen monopolisierten. Aber ‘Umar verbot das Monopol.
(Tarikh ("Geschichte"), in der zweiten Hälfte des 9. Jh. geschrieben, übersetzt aus: A.-S. Marmardji, Textes géographiques arabes sur la Palestine, Paris, 1951,  S. 150).

Die Pest stammte wahrscheinlich von infizierten Wasserquellen. Noch im 20. Jh. wurde ein Brunnen nahe von Emmaus von den Einheimischen „der Pestbrunnen“ genannt (auf Arabisch, „Bir at-Ta‘un“) (siehe: Vincent & Abel, op. cit., S. 357). Auf Grund der Pest verließen Einwohner von Emmaus ihre Häuser und zogen näher ans Meer (in die Gegend von Lydda, Lod).

Im 10. Jh. schreibt der arabische Geograph al-Mukaddasi:

‘Amwas - man sagt, dieser Ort war in alten Tagen die Hauptstadt der Provinz, aber die Bevölkerung zog fort von dort, um näher am Meer zu sein, und auch mehr in der Ebene, wegen der Brunnen; denn das Dorf liegt am Rande des Hügellandes. Al-Mukaddasi, Beschreibung des moslemischen Reiches, ca. 985 n. Chr., Teil 1, Beschreibung der Provinz Syrien,  einschließlich Palästinas, übersetzt aus: Guy Le Strange, Palestine under Moslems, Beirut, 1965, S. 393, siehe auch: Vincent & Abel, op. cit., S. 420).

       Muslimische Frauen an einem Brunnen in ‘Amwas (Emmaus), ca. 1890


Die Verehrung von Gräbern der zahlreichen Gefährten des Mohammed in Emmaus (
Amwas) wurde das erste Mal im 13. Jh. von dem persischen Reisenden al-Harawi erwähnt: 

Man sieht in ‘Amwas die Gräber einer großen Anzahl von Gefährten des Propheten und von den Tabi’in, die hier an der Pest gestorben sind. Unter ihnen sind Abder Rahman ibn Muadh ben Dschabal und seine Kinder, Harith, der Sohn des Hisham, Souhail, Sohn des Amr, und viele andere, deren Ort der Gräber nicht genau bekannt ist.
Aboul Hassan Ali ibn Abi Bakr al-Harawi, Führer an Pilgerorte, Anfang 13. Jh., übersetzt aus Archives de l‘Orient latin, Band 1 , Paris , 1881, S. 609; siehe auch: Moshe Sharon, Corpus Inscriptionum Arabicarum Palestinae, Band 1, -A-, Leiden - NY- Köln, 1997,
S. 82) .

Der erste und der einzige mittelalterliche Autor, der Abu Ubaidas Grab bei Amwas erwähnt, ist Ibn Sa’d (Anfang 9 Jh.). (Ibn Sa’d, Muhammad, at-Tabaqāt al-Kabīr, E. Sachau, hrsg., Leiden, 1918, 7 (2), siehe auch: M. Sharon, The Arabic Inscription on Abu Ubayda’s shrine in Jordan, PEQ 2011, S. 33). Die meisten muslimischen Autoren aus dem Mittelalter situieren dieses Grab anderswo. Nach dem Geographischen Diktionär von Yakut, III , 722 (Anfang 13. Jh.), ist das Grab von Abu Ubaida entweder in ‘Amta in Jordanien oder in Tabaria (Tiberias) zu finden. Siehe: A.-S. Marmardji, op. cit., S. 150; M.J. Goeje, Mémoires d’histoire et de géographie orientales, Nr. 2, Leiden, 1900, Seiten 161-162). Al Harawis Buch (13 Jh.), das schon oben zitiert wurde, erwähnt drei verschiedene Überlieferungen, die das Grab Abu Ubaidas jeweils in Tiberias (Tabaria), in Transjordanien und in Beit Schean (Beysan) ansiedeln. (Siehe: Abul Hasan Aly el Herewy, Description des lieux saints de la Galilée et de Palestine, übers. von Charles Schefer, Genua, 1881, S. 9).

  Heute noch verehren Muslime die Gräber von Abu Ubaida und von Ibn Dschabal bei Emmaus (im Kanadapark). Diese Gräber sind anscheinend fiktiv:

Das Grab von Abu Ubaida bei Emmaus ist tatsächlich ein römisch-byzantinisches Badehaus, das von den Kreuzfahrern als Lagerhaus wiederbenutzt wurde (Siehe: Mordechai Gichon, The Roman Bath at Emmaus: Excavations in 1977, in: Israel Exploration Journal, Bd. 29, Nr.2 (1979), S. 101-110).  

                                                        


Das Grab von Abu Ubaida in Emmaus (Kanadapark)

Nach dem Historiker Al-Baladhuri (9. Jh.) ist Ibn Dschabal nicht in Emmaus gestorben, sondern im Gebiet des Jordans (Siehe den Text oben über die Pest von ‘Amwas von Al-Baladhuri). Ibn Dschabals Grab in Emmaus geht auf das Jahr 1288 zurück (Nach der Inschrift über dem Eingang zum Grab, heute verloren gegangen) (Siehe: Charles Clermont-Ganneau, Archeological researches in Palestine during the years 1873-1874), London, 1896, Bd. 1, Seiten 491-493; Moshe Sharon, Corpus Inscriptionum Arabicarum Palestinae, t. 1, -A-, Leiden - NY- Köln, 1997, Seiten 81-82, 83-85).

                                                                 

Das Grab von Ibn Dschabal bei Emmaus (Kanadapark). Nach der Inschrift über dem Eingang (heute verloren gegangen), wurde das Grab 1288 vom Herrscher von  der Jerusalemer Zitadelle Dschaschankir (Mamluken-Minister) namens Mankuwirs gebaut. Die persönlichen Zeichen des Ministers – ein Dreieck innerhalb eines Kreises mit Krügen auf beiden Seiten davon – sind über dem Eingang zum Grab sichtbar.

Als Folge der Pest, die zur Umsiedlung der Einwohner von Emmaus nach Lydda (Lod) und dann nach Ramla führte, verlor Emmaus seine Funktion als regionaler Mittelpunkt und als Bischofssitz. In einer byzantinischen Liste der zivilen, militärischen und kirchlichen Ämter, bekannt als das Taktikon (Griechisches Manuskript Nr. 326 in der Bibliothek des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem), ist Emmaus auf der Liste der Bischofssitze nicht zu finden, aber eher auf der Liste der Städte und Dörfer unter der Seelsorge der Erzpriester, die der Rechtsprechung des Patriarchen von Jerusalem angehörten (Vincent & Abel, op. cit., Seiten 357-358).



Hundert Jahre nach der Eroberung durch die Araber wird Emmaus wiederum in einer Reisebeschreibung des Heiligen Landes von hl. Willibald als christlicher Wallfahrtsort erwähnt:

…Und dann, nachdem er den Berg Libanus überquert hatte und durch die Küstenstadt von Tripolis gegangen war, besuchte er wieder Damaskus und kam nach Emmaus, einem Dorf in Palästina, welches die Römer nach der Zerstörung Jerusalems und nach dem Ereignis des Sieges Nikopolis nannten. Hier, im Haus des Kleopas, das jetzt in eine Kirche verwandelt wurde, betete er Ihn an, der in diesem Haus am Brechen des Brotes erkannt worden war. In der Sehnsucht nach der Quelle lebendigen Wassers, sah er den Brunnen, der auf der Hauptstraße liegt, auf der Christus, am selben Tag, als er von den Toten auferstanden war, mit den beiden Jüngern ging, und sich umwandte, als würde er sich einer anderen Stadt zuwenden. Denn hier ist der Brunnen, von dem gesagt wird, dass Christus, als er auf der Erde lebte, zu ihm gekommen sei, und, nachdem er eine gewisse Reise getan hatte, seine Füße in ihm wusch; von diesem Zeitpunkt an wurde das Wasser von Gott auf verschiedene medizinische Weise wirksam gemacht, so dass es, wenn es getrunken wird, Heilung der Gebrechen von Mensch und Tier bewirkt. 

Anonymer Autor, Der Weg des  hl. Willibald, Kap. 13 (geschrieben im 8. Jh), übersetzt aus: Palestine Pilgrim‘s Text Society, Bd., 3 (2), The Hodoeporicon of Saint Willibald, translated by Rev. Canon Brownlow, London, 1891, S. 48. Siehe auch: T. Tobler, A. Molinier, Itinera Hierosolymitana, Genf, 1879, Bd. 1, S. 293, Vincent & Abel, op. cit. S. 419.

          

 Der hl. Willibald, Bischof von Eichstätt in Bayern (lebte ca. zwischen 700-787) →

Es sollte zur Kenntnis genommen werden, dass dieser Bericht vom Besuch des hl. Willibald in Emmaus in Wirklichkeit nur ein Satz aus Zitaten von byzantinischen Autoren ist, die Emmaus beschreiben (siehe: Byzantinische Epoche). In einem anderen Bericht von der Reise des heiligen Willibald, dem Hodoeporicon, nach seinen eigenen Worte durch die Nonne Hugeburc erzählt, wird der Besuch von Emmaus überhaupt nicht erwähnt (siehe Palestine Pilgrims' Text Society, Bd.3 (2), The Hodoeporicon of Saint Willibald, übersetzt von Rev. Canon Brownlow, London, 1891, Seiten 1-36; T. Tobler, A. Molinier, op., cit., Seiten 243 und folgende., C. H. Talbot, The Anlgo-Saxon Missionaries in Germany. Being the Lives of SS. Willibrord, Boniface, Leoba and Lebuin together with the Hodoeporicon of St. Willibald and a selection form the correspondence of St. Boniface, London- N.Y., 1954).




Eine arabische Münze, bei Ausgrabungen in Emmaus gefunden (7.-8. Jh.)
Die Inschrift auf der Vorderseite: „El Malek”, „König“







Eine arabische Münze, bei Ausgrabungen in Emmaus gefunden (7.-8. Jh.)
Die Inschrift auf der Vorderseite: „La ilaha illa Allah wahdahu” -  „Es gibt keinen Gott außer Allah allein“
Die Inschrift auf der Rückseite: „Muhammad Rasul Allah” – „Mohammed ist der Botschafter von Allah“





Im 7. und 8. Jh. war Palästina von Schikanen und Verfolgungen gegen Christen geprägt. Trotzdem wurde es Anfang des 9. Jh. dem Frankenkaiser Karl dem Großen von dem Kalifen Harun al–Raschid von Bagdad gestattet, die Kirchen von Jerusalem wiederaufzubauen und eine Herberge für Pilger und eine Bibliothek in Jerusalem zu errichten und auch die Christen im Heiligen Land finanziell zu unterstützen. Die Verfolgung von Christen in Palästina hörte zwischen 815 und 923 auf (Siehe: Moshe Gil, op. cit., Seite 474, Fußnote 50), und Christen konnten das Heilige Land wieder besuchen. 


 Kaiser Karl der Große (ca. 742-814)                           Kalif Harun al-Raschid (ca. 763-809) 


Im 9. Jh. besucht Bernhard, ein französischer Pilger-Mönch, Emmaus:

Dann erreichten wir Arisa (al-Arisch) und von Arisa kamen wir nach Ramla, nahe von dem das Kloster des seligen Georg des Märtyrers liegt, und in dem er begraben liegt. Von Ramla aus eilten wir zum Dorf von Emmaus, und von Emmaus aus erreichten wir die Heilige Stadt Jerusalem, wo wir im Hospiz des ruhmreichen Kaiser Karls blieben.  
Bernhard, der Mönch, Itinera, 314, ca. 870, übersetzt aus: J. Wilkinson, Jerusalem Pilgrims before the Crusades, Warminster,  1977, S. 142.

In der zweiten Hälfte des 9. Jh. bezieht sich ein persischer Geograph auf das Gebiet von Emmaus, als einem bevölkerungsreichen und blühenden Land:

‘Amawas, von dem der Dichter Ibn Kolthoum al-Kindy spricht; Sind da nicht so viele junge Leute, großzügig und ansehnlich wie der Mond, so viele junge Frauen, tugendhaft und hellhäutig im Tal von ‘Amawas!“ …

Ibn Chordadbeh, Das Buch von Straßen und Königreichen, geschrieben in den Jahren 846-886, übersetzt aus: De Goeje, M.-J., Bibliothca geographorum Arabicorum, Bd. 6, 1889, S. 58.


Marmortafel mit einer arabisch-kufischen Inschrift, in Emmaus entdeckt (aus den Jahren 845-854)
In Namen von Allah. Allah selbst hat bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, und die Engels und alle vernunftbegabten Menschen bestätigen in Wahrheit dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Mächtigen und Weisen (Koran 3,18). Das ist das Grab von Abu al-Qasim Sohn des Isa Sohn des Dschafar Sohn des Ibrahim Sohn des Subh al-… Möge die Barmhertzigkeit von Allah auf ihm ruhen. Er starb am Montag… Muharram, im Jahr… dreißig und (zwei hundert?) (vgl.: Moshe Sharon, op. cit., S. 82-83)







Im 10. Jh. wird Emmaus (Imwas) noch immer als Ort erwähnt, der an der Hauptstraße zwischen Ramla und Jerusalem liegt:

„Die Arbeit erschöpft die Ungebildeten: Keiner hat es verstanden, in die Stadt zu ziehen.“ (Ekklesiastes 10,15), wie ein Mann, der Ramla verlässt, um nach Bait-al-Maqdis (Jerusalem) zu gehen, welches eine recht berühmte Straße ist; wenn er eine Abkürzung machen will wird er durch ‘Imwas (Emmaus) gehen, und durch Qaryat al-‘Anab; aber er (der Ungebildete) wird nicht diesen Weg einschlagen, sondern gegen Gaza gehen, und sich dann nach Bait Dschibrin und von da aus nach Zughar (Zoar) wenden und dann nach ‘Ein Gedi zurückkehren und von dort nach Jericho und von dort nach Jerusalem …“ (Salmon ben Jeruhim, Kommentar zum Ekklesiastes, karaischer Autor aus dem 10 Jh., zitiert von Moshe Gil in op., cit., S. 203).


Während des 10. Jh. war die Situation in Palästina unruhig; es gab ständige Kriege zwischen den verschiedenen muslimischen Streitmächten um die Kontrolle des Landes. Mit dem Jahr 923 begann die Zerstörung der Kirchen und der Verfolgung der Christen wiederum. Von der zweiten Hälfte des 10. Jh. an kam Palästina unter die Herrschaft der Fatimiden, der neuen Herrscher von Ägypten, die aus dem Maghreb kamen und die endlose Kriege um die Kontrolle über Palästina gegen verschiedene arabische Stämme und gegen die Türken und Byzanz führten. (Siehe Moshe Gil, op. cit., S. 336). Von 960 bis Anfang 11. Jh. gab es in Palästina eine ständige und brutale Verfolgung der Christen, teilweise hervorgerufen durch die Kriege zwischen den Fatimiden und dem byzantinischen Reich. Am Anfang des 11. Jh. wurden viele Kirchen in Palästina auf Befehl des Fatimiden Kalif Hakim zerstört, und viele Christen wurden gezwungen, entweder den Islam anzunehmen oder das Kalifat zu verlassen. Die Grabeskirche von Jerusalem wurde 1007 (nach anderen Quellen 1009) zerstört. Kurz danach wurde die Kirche des heiligen Georg in Lydda zerstört (siehe: Moshe Gil, op. cit., Seiten 373-379). Es ist möglich, dass auch der byzantinische Kirchenkomplex in Emmaus während dieser Zeit zerstört wurde.
Die Jahre 1071 und 1072 waren von der Einnahme Jerusalems durch kriegerische Stämme der Seldschuk-Türken gekennzeichnet, denen es gelang, die Fatimiden aus der Gegend zu vertreiben. Es wurde unmöglich, christliche Wallfahrten in das Heilige Land zu machen. Die Drohung, die die heiligen Stätten der Christenheit überschattete und die Unterdrückung der Christen in Palästina und im ganzen Nahen Osten provozierte eine vehemente Reaktion in Europa, welche in den Kreuzzügen gipfelte. (Siehe: Die Epoche der Kreuzzüge).

Die ganze früharabische Epoche hindurch wurde Emmaus Nikopolis weiterhin mit dem Emmaus aus der Geschichte aus dem Evangelium identifiziert. Das bezeugt „Der Bericht über die Heilige Stadt und die Heiligen Stätten“, welcher vom Mönch Epiphanios von Jerusalem auf Griechisch geschrieben wurde und der zwischen dem 7. und dem 11. Jh. datiert wird, nach dem das Emmaus des Neuen Testamentes 18 Meilen von Jerusalem und 8 Meilen von Ramla entfernt liegt:
Und im Westen der Heiligen Stadt, ganz nahe davon, liegen zwei Grotten, welche die Gebeine der heiligen von Herodes ermordeten Kinder enthalten. Auch im Westen davon, sechs Meilen weg, liegt der Berg Karmel (Ein Karem), das Heim des Vorläufers. Achtzehn Meilen westlich vom Berge Karmel ist Emmaus; hier wanderte Kleopas mit Christus, und er wusste nicht, dass es Christus war. Und wiederum acht Meilen davon entfernt liegt Ramla, und nahe von Ramla der Ort Diospolis.

(PG CXX, 264; J. Wilkinson, Jerusalem Pilgrims before the Crusades, Warminster, 1977, s. 119.)

Am Ende der arabischen Epoche, kurz vor den Kreuzzügen, erscheint zum ersten Mal der Hinweis auf verschiedene Meinungen in Bezug auf die Lage des Emmaus aus dem Evangelium:
Was die Worte „das Dorf, das von Jerusalem ungefähr sechzig Stadien entfernt liegt“ betrifft, dehnen einige diese Entfernung weit aus, während andere es auf dreißig Stadien reduzieren und argumentieren, dass dies die genaue Entfernung zwischen Emmaus und Jerusalem sei…
  (Hl. Johannes Mauropous, Metropolitan von Euchaita, Brief 117, geschrieben 1050, der griechische Text ist hier.)
Die Existenz verschiedener Ansichten, was die Lage von Emmaus betrifft, erklärt die Tatsache, dass während des 12.-13. Jh., verschiedene Orte außer Emmaus-Nikopolis von den Kreuzfahrern als das Emmaus des Neuen Testaments identifiziert wurden: Motza, Abu Gosh und später al-Qubeiba. (Siehe: Häufig gestellte  Fragen zu Emmaus, Fragen #3 und #7).