Die hasmonäische Epoche (167-37 v. Chr.)


Die erste geschichtliche Erwähnung von Emmaus ist mit der jüdischen Revolte gegen die Hellenisierung der Region durch den syrischen König Antiochus IV. verbunden. Der Aufstand, der 167 vor Chr. begann, wurde von Mattatias, dem Sohn des Hasmonäus, angeführt, der aus dem Dorfe Modiin, 10 km nördlich von Emmaus kam.

Nach dem Tode des Mattatias, ging die Führung auf seine Söhne Simon und Judas den Makkabäer über. 165 vor Chr. gewann Judas der Makkabäer bei Emmaus einen großen Sieg über die griechisch-syrische Armee, der den Juden den Weg nach Jerusalem eröffnete und die Reinigung des Tempels erleichterte. Die Erinnerung daran wird im jüdischen Fest von Chanukka gefeiert. Diese Ereignisse werden im ersten Buch der Makkabäer, das auf den Anfang des 1. Jh. v. Chr. zurückgeht, beschrieben:

Lysias aber wählte Ptolemäus aus, den Sohn des Dorymenes, außerdem Nikanor und Gorgias, tapfere Männer, die zu den Freunden des Königs gehörten und schickte sie mit vierzigtausend Mann und siebentausend Reitern auf den Weg. Sie sollten in Judäa einmarschieren und das Land verwüsten, wie es der König befohlen hatte. Sie brachen also mit ihrem gesamten Heer auf, zogen bis Emmaus (abhängig von den Manuskripten: Aμμούν, Αμμαου, Αμμαυ) und schlugen dort in der Ebene ihr Lager auf, um die Israeliten als Sklaven aufzukaufen. Dem Heer schlossen sich auch noch Truppen aus Syrien und dem Land der Philister an.

Als Judas und seine Brüder sahen, dass großes Unheil drohte und die feindlichen Truppen schon auf ihrem Gebiet ihr Lager aufschlugen, und als sie erfuhren, welche Befehle der König gegeben hatte, um das Volk völlig zu vernichten, sagten sie zueinander: Wir wollen die Trümmer unseres Volkes wiederaufbauen und für unser Volk und das Heiligtum kämpfen. Und sie kamen zusammen, um sich zum Kampf zu rüsten, um zu beten und Gnade und Mitleid zu erflehen.

Jerusalem war menschenleer wie eine Wüste, von den Kindern der Stadt ging keines mehr ein oder aus. Die heilige Stätte war entweiht. Ausländer hausten in der Burg, sie war ein Gasthaus für fremde Völker. Die Freude war aus Jakob verschwunden, Flöte und Harfe waren verstummt.

Sie versammelten sich also und gingen nach Mizpa. Das ist ein Ort, der Jerusalem gegenüber liegt und an dem die Israeliten früher eine Gebetsstätte hatten …

Danach brach das Heer auf und schlug südlich von Emmaus (Αμμαούμ, Αμμαους, Εμμαους) sein Lager auf. Judas sagte: Legt eure Waffen an und seid tapfer! Macht euch bereit, morgen früh mit diesen fremden Völkern zu kämpfen, die man zusammengeführt hat, um uns und unser Heiligtum zu vernichten. Denn wir wollen lieber im Kampf fallen, als zusehen, wie Unglück über unser Volk und über das Heiligtum kommt. Doch wie der Himmel will, so soll es geschehen.


Der Schlacht der Makkabäer gegen die Griechen. Gravur von Gustave Doré


Gorgias aber nahm eine Abteilung von fünftausend Mann und tausend ausgesuchten Reitern und brach mit ihnen in der Nacht auf. Er wollte nämlich das jüdische Volk überfallen und überraschend schlagen. Leute aus der Burg zeigten ihm den Weg. Doch Judas erfuhr davon und brach selbst mit seinen Männern auf, um das Lager der königlichen Streitkräfte vor Emmaus (Έμμαούμ, Ναμμαουμ, Αμμαουμ) anzugreifen, solange die anderen Truppen vom Lager getrennt waren. Gorgias erreichte noch in der Nacht das Lager der Juden, fand aber niemand. Daher suchte er sie in den Bergen, denn er dachte: sie sind vor uns geflohen.

Bei Tagesanbruch erschien Judas mit dreitausend Mann in der Ebene. Doch sie waren nicht so ausgerüstet und bewaffnet, wie sie es wünschten. Als sie das Kriegslager der fremden Völker sahen, das stark und fest gebaut und ringsum von Reiterei umgeben war – lauter gut ausgebildete Soldaten -, da sagte Judas zu seinen Männern: Habt keine Angst vor ihrer Übermacht und fürchtet euch nicht vor ihrer Kampfkraft! Denkt daran, wie unsere Väter im Roten Meer gerettet wurden, als der Pharao sie mit seinem Heer verfolgte. Lasst uns den Himmel anrufen, dass er uns gewogen ist und des Bundes mit unseren Vätern gedenkt und er dieses Heer heute vor unseren Augen vernichtend schlägt.  Dann werden alle Völker erkennen, dass es einen gibt, der Israel loskauft und rettet.

Als die fremden Soldaten aufblickten, sahen sie die Juden heranrücken. Da kamen sie aus ihrem Lager heraus, um zu kämpfen; die Männer des Judas aber bliesen die Widderhörner. Die beiden Heere stießen aufeinander, und die fremden Völker wurden vernichtend geschlagen und flohen in die Ebene. Die Juden verfolgten sie bis nach Geser und in die Ebene von Idumäa, Aschdod und Jamnia und erschlugen ungefähr dreitausend von ihnen. Dann hörte Judas mit seinen Leuten auf, sie zu verfolgen und kehrte um. Er sagte zu seinen Männern: Fallt noch nicht über die Beute her; denn uns steht noch ein Kampf bevor. Gorgias steht mit seinen Truppen dicht vor uns in den Bergen. Stellt euch also zum Kampf gegen eure Feinde auf und greift sie an; nachher könnt ihr in aller Ruhe eure Beute holen. Während Judas noch sprach, sah man eine Abteilung der Feinde hinter dem Berg auftauchen. Als sie merkten, dass ihre Leute geschlagen waren und die Juden das Lager angezündet hatten, - der weithin sichtbare Rauch zeigte an, was geschehen war – bekamen sie bei diesem Anblick große Angst. Als sie sahen, dass das Heer des Judas kampfbereit in der Ebene stand, flohen sie alle ins Land der Philister.

Jetzt erst machte sich Judas an die Plünderung des Lagers, Sie erbeuteten viel Gold und Silber, violette und rote Purpurstoffe und andere reiche Schätze. Auf dem Rückmarsch priesen und lobten sie den Himmel: „Denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig. So wurde Israel an jenem Tag wunderbar gerettet. (1 Makkabäer, 3,38 -4, 25).

Heutzutage zweifelt niemand daran, dass diese Ereignisse bei Emmaus (dem zukünftigen Nikopolis), das bei dem Tal von Ajalon liegt, geschehen sind. Man kann  beachten, dass der, im Buch der Makkabäer benutzte,  Ausdruck: „in der Ebene“ („εν τη γη πεδινη“) in der griechischen Bibel, der Septuaginta, dazu dient, das hebräische Wort „Schefela“ wiederzugeben, dass die Ebene zwischen dem Mittelmeer und den Bergen von Judäa bezeichnet. Der erste Ort, auf den die Feinde der Juden trafen, als sie vom Schlachtfeld flohen, ist Gazara (Geser). All dies entspricht der geographischen Lage von Emmaus (Nikopolis).

In Folge der Siege des Judas, erlaubte der König Antiochus den Juden nach ihren religiösen Gesetzen zu leben. Judas gab jedoch den bewaffneten Kampf gegen die Griechen und ihre Unterstützer in Judäa und den benachbarten Gebieten nicht auf. 160 v. Chr. gelang es dem syrischen Militärkommandanten Bakchides die Rebellen zu schlagen, und Judas der Makkabäer fiel im Kampf. Unter den Orten, die von Bakchides besetzt und befestigt wurden war Emmaus. Einige der Befestigungen von Bakchides bestehen bis heute auf dem Hügel von Al-Aqed, im „Kanada - Nationalpark, im Gebiet von Emmaus.


Bakchides kehrte nach Jerusalem zurück. Er legte in Judäa befestigte Städte an: die Festungen bei Jericho, Emmaus (Αμμαους), Bet-Choron, Bet-El, Timna, Faraton und Tefon. Er versah sie mit hohen Mauern und Toren; an den Toren brachte er Querbalken zum Verriegeln an. Dann legte er Besatzungen hinein, die das Volk Israel in Zaum halten sollten. (1 Makkabäer 9, 50-51). Der Bruder des Judas, Jonathan, führte den anhaltenden Aufstand an und übernahm allmählich die Kontrolle über ganz Judäa. Indem er die Rivalität zwischen den Thronbewerbern um die syrische Krone ausnutzte, erhielt er die Titel des Hohenpriesters und des Herrschers von Judäa. Judäa wurde also im Mai 142 v. Chr. unter der Regierung der hasmonäischen Dynastie unabhängig.

Unter den Hasmonäern wuchs Emmaus und wurde allmählich die vorherrschende Siedlung im Tal Ajalon. Es ersetzte Geser (Gazara) als Verwaltungszentrum der Region (siehe unten). Nach der Mischna gab es unter den Musikern, die im Jerusalemer Tempel spielten, Leute aus Emmaus:

(Die Flötenspieler im Tempel) waren Sklaven (Diener) der Priester; so Rabbi Meir. Rabbi Jose sagte: Es waren Familienangehörige des Hauses Pegarim und des Hauses Ziporia aus Emmaus  (עימאוס, אמאוס), die ihre Tochter an die Priesterschaft verheiratet hatten. Rabbi Chanina ben Antigonos sagte: Es waren Leviten.  (Mischna, Traktat Arachin 2,4; Strack & Billerbeck, „Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud &  Midrasch“, München, 1924, 1989, Bd. II, S. 270; Siehe auch die Übersetzung ins Englische: „The Mishna“, R. Fisch, Übers. Jerusalem, 1995, Traktat Arachin, Kap.2, Mischna 4, S.19)



Im Jahre 63 v. Chr. wurde in Judäa die römische Herrschaft hergestellt. Nach einem langen Kampf zwischen Johannes Hyrkanos und Aristobulos aus der hasmonäischen Dynastie, setzten die Römer Hyrkanos als Monarchen ein.


47 v. Chr, setzten Hyrkanos und Antipater neue Verwaltungs - Divisionen in Judäa ein, Toparchien (Flavius Josephus, „Jüdische Altertümer“, 14,10,1 und ff.). Emmaus wurde zum Mittelpunkt der Toparchie, wo es lag:

Eingeteilt wird Judäa in elf Stammbezirke, mit Jerusalem als Residenz an der Spitze, die da hoch erhaben über das ganze Land herum, wie das Haupt über dem Rumpfe, thront. Die übrigen Städte verteilen sich nach ihr in folgende Bezirke: Gophna, zweiter Bezirk, nach diesem Akrabatta, dann Thamna und Lydda und Emmaus und Pelle, Idumäa, Engaddä, Herodium und Jericho. Weiters bilden auch Jamnia und Joppe je einen Mittelpunkt für ihre Umgebung, wozu noch die Landschaften von Gamala und Gaulanitis, Batanäa und die Trachonitis kommen, die übrigens schon Gebietsteile vom Königreich Agrippa sind… (Flavius Josephus, „Jüdischer Krieg“ 3,3,5. Eine ähnliche Information kann in der „Naturkunde“ von Plinius dem Jüngeren, Buch 5, Kap. 15, gefunden werden).

In 44-43 v. Chr. machte Judäa einen Bürgerkrieg durch, der nach der Ermordung von Julius Caesar auf dem Gebiet des römischen Reiches begann. Als Gaius Cassius Longius, einer von Caesars Mördern, der neue Herrscher von Syrien wurde, forderte er, dass die jüdischen Städte den Römern einen Geldtribut zahlen sollten, um seine militärischen Unternehmungen zu finanzieren. Cassius hatte die Unterstützung von Antipater, dem Hauptminister von Judäa, um diese Steuern von den Juden einzutreiben. 43 v. Chr. wurden die Einwohner von Emmaus, gemeinsam mit anderen Juden als Sklaven verkauft, weil sie den notwendigen Tribut nicht aufbringen konnten.


Als nun bei dem durch Cäsars Ermordung verursachten Kriege sich alle bedeutenderen Männer hierhin und dorthin zerstreuten, um Truppen zu werben, kam Cassius nach Syrien, um das bei Apamea stehende Heer zu übernehmen, hob die Belagerung auf und stiftete Frieden zwischen Bassus und Murcus. Dann durchzog er die Städte, sammelte Waffen, warb Soldaten an, legte den Städten schwere Kriegsabgaben auf und drückte insbesondere Judäa durch Eintreiben einer Steuer von siebenhundert Talenten Silber. Als Antipater deswegen alles in Furcht und Bestürzung sah, verteilte er die Beitreibung der Abgabe auf eine Söhne, auf den ihm wenig freundlich gesinnten Malichus und auf einige andere Vertraute. Da nun Herodes zuerst aus Galiläa seinen Anteil beibrachte, kam er bei Cassius in hohe Gunst. Herodes hielt es nämlich für klug, den Römern diesen Dienst zu erweisen und sich ihr Wohlwollen auf fremde Kosten zu erringen. In den übrigen Städten wurden deren Vorsteher samt den Bewohnern gepfändet, und Cassius brachte so vier Städte, von denen die mächtigsten Gophna und Emmaus (Aμμαους) , die übrigen Lydda und Thamna waren, in Knechtschaft… (Flavius Josephus, „Jüdische Altertümer“ 14,11,2, Übersetzung: H. Clementz, Halle an der Saale, 1899).

In demselben Jahr erlangte Mark Anton, nach seinem siegreichen Kampf gegen Markus Junius Brutus und Cassius, die Kontrolle über die römischen Provinzen Asiens. In einem Versuch der Wiedergutmachung für das Regime des Cassius, erlaubte der neue Herrscher 42 v. Chr. den Juden, die in die Sklaverei verkauft worden waren, nach Emmaus und anderen Städten von Judäa zurückzukehren. (Flavius Josephus, „Jüdische Altertümer“ 14,12,2-3).

Im selben Jahr (42 v. Chr.) machte Mark Anton Herodes, den Sohn des Antipater, zum Verwalter von Judäa. Die Invasion des Königs der Parther, Pakorus in Syrien, 41 v. Chr., brachte das Chaos auch nach Judäa. Indem er sich auf die Hilfe der Parther verließ, versuchte Antigonus, der Hasmonäer, die Gewalt in seine Hände zu bekommen. Die Römer standen dem Herodes in seinem Krieg mit den Parthern und Antigonus bei. Während dieser Zeit der Unruhen litt die jüdische Bevölkerung von Emmaus unter der Gewalttätigkeit des römischen Militärkommandanten Machaeras.

Da inzwischen Pakorus gefallen war und das Kriegsglück der Parther zur Neige ging, sandte Ventidius auf Antonius' Befehl den Machaeras mit zwei Legionen und tausend Reitern dem Herodes zu Hilfe. Machaeras aber ließ sich, was Herodes nicht erwartet hatte, von Antigonus mit Geld bestechen und zog unter dem Vorwande ab, sich von der Lage des Antigonus selbst überzeugen zu wollen. Antigonus indes, der über seine Absicht im Zweifel war, ließ ihn nicht ein, sondern trieb ihn mit Schleudern zurück und gab ihm deutlich zu verstehen, wie er gesinnt sei. Da nun Machaeras einsah, dass Herodes ihm gut geraten und dass er durch die Nichtbefolgung seiner Ratschläge einen großen Fehler begangen habe, zog er sich in die Stadt Emmaus zurück und ließ im Zorn über das, was ihm widerfahren war, alle Juden, welche er unterwegs antraf, umbringen, mochten es Freunde oder Feinde sein... (Flavius Josephus, „Jüdische Altertümer“ 14,15,7, die Ereignisse von 38 v. Chr., Übersetzung: H. Clementz, Halle an der Saale, 1899)

37. v. Chr. wurde Herodes vom römischen Senat zum König von Judäa erklärt. Der neue König besetzte Jerusalem und enthauptete Antigonos, den letzten König aus der hasmonäischen Dynastie.


Die Ruinen der Befestigungen des Bakchides und die Münzen des Alexander Jannäus und des Antiochos VIII. Grypos, die in der Nachbarschaft der byzantinischen Kirche in Emmaus gefunden wurden, machen das Erbe der hasmonäischen Epoche des Ortes aus.


Münzen des Alexander Jannäus (links) und von Antiochos VIII. Grypos, in Emmaus gefunden 












 


VORHERIGE EPOCHE                 NÄCHSTE EPOCHE