Jesus gibt Sich uns Selbst  im Brechen des Brotes zu erkennen

 

Hl Ephräm der Syrer, Hymnen über das Paradies, 15. 4, 4.Jh. n. Chr.

 

Sogar als das Heer Elischa umstellte,

Wurde ein Wort zum Schlüssel, der die Augen des Hirten öffnete (2 Kön 6, 17).

Als die Augen der Jünger gehalten waren,

War das Brot der Schlüssel, durch den ihre Augen geöffnet wurden,

den Allwissenden zu erkennen:

Verdunkelte Augen schauten eine Vision der Freude

Und wurden plötzlich von Glück erfüllt.

 

 

Heiliger Augustinus, Anfang 5. Jh., Predigt 234, 2

Erinnert euch jedoch daran, meine Lieben, wie der Herr Jesus wünschte, im Brechen des Brotes erkannt zu werden, von jenen, deren Augen bis dahin davon zurückgehalten waren, Ihn zu erkennen. Die Gläubigen wissen, wovon ich spreche. Sie erkennen Christus am Brotbrechen, nicht in jedem Laib Brot - versteht ihr - aber in demjenigen, der den Segen Christi empfängt und zum Leib Christi wird. Daran erkannten sie Ihn. Sie waren übervoll von Freude und gingen geradewegs zu den Aposteln. Sie fanden diese, die schon über die Auferstehung Bescheid wussten. Sie erzählten, was sie gesehen hatten, und fügten so dem Evangelium noch Einzelheiten hinzu. Diese wurden erst mündlich weitergegeben und dann niedergeschrieben und haben uns erreicht.

 

 

 Predigt 235, 2-3

„Wir“, sagten sie, „aber hatten gehofft, dass Er der sei, der Israel erlösen werde.“ O, meine lieben Jünger, ihr hattet gehofft! Also hofft ihr nun nicht mehr? Christus lebt! Ist die Hoffnung in euch gestorben? Sicher, sicher, Christus lebt! Christus, der lebendig ist, fand den Tod im Herzen seiner Jünger, die Ihn anschauen ohne Ihn zu sehen und Ihn sehen ohne Ihn zu erkennen. Wenn sie Ihn wirklich nicht sahen, wie konnten sie Ihn hören, als Er sie fragte und sie Seine Fragen beantworteten? Sie betrachteten Ihn als einen Gefährten und Er war Selbst der höchste Führer, und so wurde Er gesehen, aber Er wurde nicht erkannt. Denn ihre Augen waren gehalten, wie wir gehört haben, so dass sie Ihn nicht erkennen konnten. Ihre Augen waren nicht gehalten, um Ihn nicht zu sehen, aber, um Ihn nicht zu erkennen. Lasst uns fortfahren, Brüder. Woran wollte der Herr erkannt werden? Am Brechen des Brotes. Auch wir sind sicher: wir brechen das Brot, und wir erkennen den Herrn. Es war um unseretwillen, dass Er sich am Brotbrechen erkennen ließ, denn wir sollten Sein Fleisch essen, ohne Ihn im Fleisch zu sehen. Du also, wer immer du sein magst, wenn du wirklich ein Gläubiger bist und nicht umsonst den Namen Christ trägst und nicht ziellos in die Kirche eintrittst und auf das Wort Gottes in Furcht und Hoffnung hörst, welchen Trost wirst du dann am Brotbrechen erfahren! Die Abwesenheit des Herrn ist für dich keine Abwesenheit. Dank deines Glaubens, besitzst du Den, Den du nicht sehen kannst. Die zwei Jünger hatten Ihn nicht aus dem Grab gehen gesehen und hatten noch keinen Glauben; sogar, als der Herr mit ihnen sprach, glaubten sie nicht an Seine Auferstehung. Sie hatten den Glauben verloren, hatten die Hoffnung verloren. Sie waren Tote, die mit dem lebendigen Christus unterwegs waren. Sie waren Tote, die mit dem Leben Selbst unterwegs waren. Das Leben war mit ihnen unterwegs, aber Es war noch nicht in ihre Herzen zurückgekehrt.

 

 Hl.  Symeon der Neue Theologe, Hymnen, 26, 46-55, Anfang 11. Jh.

Gerade wie damals, als die Türen verschlossen waren, kamst Du herein und gingst hinaus, und Du wurdest beim Brotbrechen vor Deinen Jüngern unsichtbar, so verwandelst Du auch jetzt dieses Brot in Deinen geistigen Leib. Und ich glaube, dass ich Dich besitze, ob Du es willst oder nicht, und da ich Dein Fleisch kommuniziere, glaube ich auch, dass ich Dich ergreife, und dass ich wie ein Heiliger bin, O Christus, ein Erbe Gottes, Dein Miterbe, Dein Bruder, Teilhaber an Deiner ewigen Herrlichkeit.

 

Hl. Nerses Schnorhali, Jesus, der einzige Sohn des Vaters, Teil 2, 775-777, 12. Jh.

 

An demselben Sonntag

Unterwegs nach Emmaus,

Begannst Du mit Kleopas

Und seinem Gefährten zu sprechen.

Du gabst Dich Selbst im Haus

Am Brechen des heiligen Brotes zu erkennen;

Sobald Du ihrem Blick entschwunden warst,

Waren ihre brennenden Herzen in Ratlosigkeit gestürzt.

Lass auch mich das Unsagbare erkennen:

Dein verbogenes und so ersehntes Leben.

Und lass mein Herz sich in mir verzehren

In Erinnerung an Deine himmlische Liebe.

 

 

Hl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben „Mane nobiscum Domine“ (2004), Einleitung, 1-2.

„Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden“ (vgl. Lk 24,29). Dies sind die eindringlichen Worte der Einladung, mit denen sich die beiden Jünger, die am Abend des Auferstehungstages nach Emmaus unterwegs sind, an den Wanderer wenden, der Sich auf dem Weg zu ihnen gesellt hatte. Mit trüben Gedanken beladen konnten sie sich nicht vorstellen, dass gerade dieser Unbekannte ihr Meister sein würde, Der schon von den Toten auferstanden war. Dennoch verspürten sie, während Er mit ihnen redete und ihnen den Sinn der Schrift, „erschloss“, ein inneres „Brennen“ (vgl. ebd. V. 32). Das Licht des Wortes löste die Blindheit ihres Herzens und ließ ihnen die Augen aufgehen (vgl. ebd. V. 31). Unter den Schatten des zu Ende gehenden Tages und in der Dunkelheit, die ihr Herz zu umhüllen drohte, war jener Wanderer ein Lichtstrahl, der Hoffnung zu wecken vermochte und ihren Geist für den Wunsch nach der Fülle des Lichtes öffnete. „Bleib doch bei uns“, drängten sie Ihn. Und Er akzeptierte. Kurz darauf war das Antlitz Jesu verschwunden. Der Herr jedoch war „geblieben“, und zwar unter dem Schleier des „gebrochenen Brotes“, vor dem ihnen die Augen aufgegangen waren. … Auf den Straßen unserer Fragen und unserer Unruhe, zuweilen unserer tiefen Enttäuschungen, will der göttliche „Wanderer“ uns weiterhin Gefährte sein, um uns durch die Auslegung der Heiligen Schrift in das Verstehen der Geheimnisse Gottes einzuführen. Wenn die Begegnung mit dem Herrn zur Fülle gelangt, tritt an die Stelle des „Lichtes des Wortes“ jenes Licht, das aus dem „Brot des Lebens“ hervorgeht, mit dem Christus in höchster Form seine Zusage „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ erfüllt (Mt 28,20).


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