7. Warum sagt man, dass Emmaus bei Qubeibe oder Abu-Gosch sei?

Während der Kreuzfahrerzeit, wurden zusätzliche Orte als das biblische Emmaus verehrt: Ha-Motza (siehe Frage # 3), Karjat-al-Ejnab (Abu Gosch), und später Qubeibe. Der Grund für die Entstehung dieser neuen Traditionen war ein allgemeiner Trend dieser Zeit, die heiligen Orte nahe voneinander an zugänglichen Straßen zu situieren. Die Identifikation heiliger Orte wurde oft von den Reisenden selbst vorgenommen. So, wurde im 12. Jh. der Hügel von Latrun in der Gegend von Emmaus-Nikopolis von einigen westlichen Pilgern als Modiin bezeichnet. Allmählich dehnte sich diese Identifikation auf Emmaus aus, welches bis ins 19. Jh., als die Grabstätte der „sieben Makkabäischen Brüder“ galt, während Latrun vom frühen 16. Jh. an, zum Heim des guten Räubers wurde (castellum boni Latronis). Karjat-al-Ejnab (Abu-Gosch), das biblische Kirjat-Jearim, wurde vom späten 12. Jh. und bis zu der Mitte des 13. Jh. von einigen Kreuzfahrern als Emmaus bezeichnet (eine Überlieferung, die von den französischen Mönchen im 20. Jh. wiederaufgenommen wurde), und vom 16. Jh. bis zum 20. Jh. wurde es für den biblischen Ort von Anathoth gehalten, den Geburtsort des Propheten Jeremia.

Die Tradition, welche Emmaus nach Qubeibe verlegt hat, entstand  wahrscheinlich im 13. Jh.. Sie war besonders  während des 16. bis 17. Jh. populär und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. durch Franziskaner wiederbelebt. Weder Abu-Gosch noch Qubeibe trugen je den Namen „Emmaus“ im Munde der lokalen Bevölkerung und wurden auch von Orthodoxen oder anderen östlichen Christen nicht als solches verehrt (außer vielleicht, von denen, die besonders von ihren westlichen Brüdern beeinflusst waren). Abu Gosch befindet sich 13,5 km (73 Stadien), und Qubeibe 14,3 km (77 Stadien) weit von Jerusalem weg – offensichtlich von den mittelalterlichen Reisenden als Distanz von ungefähr 60 Stadien angenommen, wie es in den meisten Manuskripten des Lukasevangeliums erwähnt ist. Nachdem sie mit der Erinnerung der Erscheinung Jesu in Emmaus verbunden wurden, wurden Abu-Gosch und Qubeibe auch als Orte des Sieges von Judas dem Makkabäer über die Griechen bezeichnet, da die christliche Überlieferung diese beiden Ereignisse nie voneinander getrennt hat. Heute zweifelt niemand daran, dass die Schlacht des Judas gegen das syrische Heer im Tal Ajalon, in der Gegend von Emmaus-Nikopolis stattgefunden hat. Die ursprüngliche Gleichsetzung  von Abu-Gosch und Qubeibe mit dem biblischen Emmaus erschien daher nicht als Frucht einer historischen oder archäologischen Forschung, sondern als Frucht der Frömmigkeit westlicher Pilger während der Kreuzzüge und der Renaissance. Wenn auch andere Orte  von Pilgern als das Emmaus des Neuen Testamentes befunden wurden, wurde Emmaus-Nikopolis weiterhin von beiden, den orthodoxen und den katholischen Christen als das Emmaus verehrt.  Dafür gibt es verschiedene Berichte von Zeugen, einschließlich des russischen Abtes Daniel, der Emmaus 1106  besuchte (Vincent & Abel, „Emmaüs“, Paris, 1932, S. 421), eines griechischen Pilgers, namens Johannes Phocas, der es 1185 besuchte  (PGCXXXIII; 960), und des Franziskaners Antonio de Medina, Pilger von 1485 (P. Duvignau, „Emmaüs, le site - le mystère“, Paris, 1937,  S. 98-101, und 178), etc.

 


Über die Identifikation von Emmaus während der Kreuzfahrerzeit, siehe: M.-V. Guérin, „Description de la Palestine“, Paris, 1868, S. 348-361, Vincent & Abel, „Emmaüs“, Paris, 1932, S. 381-402; D. Baldi, „Enchiridion Locorum Sanctorum“, Jerusalem, 1955, S. 706-719; P. Sabino de Sandoli, „The Sanctuary of Emmaus“, Jerusalem, 1966; M. Benvenisti, „The Crusader of the Holy Land“, Jerusalem, 1970, S. 343-351; „A History of the Crusades“, K. Setton, Herausg., Wisconsin, 1985, Bd. IV, S. 112-113, 259-260 (siehe hier); D. Pringle, „The Churches of the Crusader Kingdom of Jerusalem“, Cambridge, 1995, Bd. 1, S. 52-59; „Abu-Gosh“, Editions du Gulf Stream, 1995; V. Michel, „Le complexe ecclésiastique d‘Emmaüs-Nicopolis“, Paris, Sorbonne, 1996-97, S. 46-49; R. Ellenblum „Frankish Rural Settlement in the Latin Kingdom of Jerusalem“, Cambridge, 1998, S. 109-118. Siehe auch: M. Ehrlich, The Identification of Emmaus with Abu-Goš in the Crusader Period Reconsidered, ZDPV 112 (1996), 2, p.165-169)


Ein Teil der Karte Palästina der Kreuzzüge von F. J. Salmon in Jaffa im Jahre 1924 herausgegeben. Die Karte zeigt die Straße von Jaffa nach Jerusalem. Emmaus-Nikopolis ist als Imwas, Abu-Gosch als Quelle von Emmaus Fontenoid und Qubeibe als La petite Mahomerie gezeigt.


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